Wirklichkeitsentkoppelt

Neu­es For­mat. Eine Gedan­ken­samm­lung. Erst­mal vier Geschichten.

Die erste Geschichte

Yvonne Gebau­er erwirbt eine Drei-Jah­res-Lizenz der Brock­haus-Onlineenzy­klo­pä­die zur Nut­zung durch alle Schüler:innen in NRW. Der Spott der Onlinecom­mu­ni­ty und eini­ger kri­ti­scher Jour­na­lis­ten ist ihr sicher.

Ich bin mir sicher, dass Frau Gebau­er das maxi­mal ver­wirrt: Schließ­lich hat sie ja nicht direkt die­sen Deal ein­ge­fä­delt, son­dern die Vor­be­rei­tun­gen und die Idee dazu kom­men ja aus ihrem Minis­te­ri­um von Fachrefe­ra­ten. Sie hat sich auf die­se inhalt­li­che Vor­ar­beit ver­las­sen, die lei­der an den momen­ta­nen Bedar­fen gering­fü­gig vor­bei­geht. Die Mit­tel, die dafür ein­ge­setzt wur­den, sind höchst­wahr­schein­lich Mit­tel aus dem Digi­tal­pakt: Ein Teil der Zuwen­dun­gen an die Län­der ist für Vor­ha­ben auf Lan­des­ebe­ne vorgesehen.

Die zweite Geschichte

Unter vie­len Jour­na­lis­ten gibt es ein Nar­ra­tiv, dass die Digi­tal­pakt­mit­tel ein­fach nicht abge­ru­fen wer­den. Die Nach­fra­gen an die Kul­tus­mi­nis­te­ri­en tür­men sich. Mich haben auch schon eini­ge Anfra­gen dazu erreicht, aber mei­ne Ant­wor­ten stie­ßen auf wenig Gegen­lie­be: Zu wenig pla­ka­tiv, zu kom­plex, in der Öffent­lich­keit nicht ver­mit­tel­bar. Jetzt gibt es in Nie­der­sach­sen einen 10-Punk­te-Plan Digi­ta­li­sie­rung. Die­ser sieht als Ziel­vor­ga­be vor, noch im Jahr 2021 min­des­tens 50% der Digi­tal­pakt­mit­tel „zu bin­den“. Denn: Zah­len – so wichtig!

Dass die Ursa­chen für den gerin­gen Mit­tel­ab­fluss ganz woan­ders lie­gen (und der Stau bzw. Kno­ten sich recht bald lösen wird), hät­te Recher­chen vor­aus­ge­setzt. Statt­des­sen schaut man lei­der im Jour­na­lis­mus oft ger­ne auf Zahlen.

Und Poli­tik lie­fert die­se dann, weil so das Spiel funk­tio­niert. Ich sehe für Nie­der­sach­sen momen­tan eine gro­ße Gefahr, dass unter dem öffent­li­chen Druck das Pen­del von „sinn­vol­ler Digi­ta­li­sie­rung von schu­li­schen Pro­zes­sen“ stark hin­über­schwingt: „Die Koh­le muss raus, lass‘ mal Gerä­te anschaf­fen!“ Mit inhalt­li­cher und päd­ago­gi­scher gelun­ge­ner Arbeit ist kei­ne Pro­fi­lie­rung mög­lich. Ein schi­ckes Foto vor dem LCD-Panel ist da viel fluffi­ger: Für alle Sei­ten: Jour­na­lis­ten, Poli­tik und Schu­le. Und hin­ter­her wird dann gejam­mert, dass man sich ja viel zu wenig Gedan­ken gemacht hat.

Die dritte Geschichte

Es gibt Dienst­ge­rä­te zur Aus­stat­tung von Lehr­kräf­ten. Unter dem Begriff wer­den in der öffent­li­chen Dar­stel­lun­gen ganz vie­le Din­ge in einen Topf gewor­fen. Das Sofort­aus­stat­tungs­pro­gramm des Bun­des führt gera­de nicht zur Anschaf­fung von Gerä­ten, die im dienst­li­chen Kon­text rechts­si­cher ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Allen­falls wird es vie­ler­orts schul­ge­bun­de­ne Gerä­te geben, die an Lehr­kräf­te von den Trä­gern „ver­lie­hen“ wer­den, um deren rechts­kon­for­men Ein­satz und um deren Admi­nis­tra­ti­on sich die Lehr­kräf­te selbst küm­mern müs­sen. Um das zu begrei­fen, muss man För­der­richt­li­ni­en lesen (und zur Ver­fü­gung haben). Letzt­lich bekom­men die­se Gerä­te dann den Sta­tus eines Pri­vat­ge­rä­tes, was man dann nur nicht selbst finan­zie­ren muss. Gera­de für die Ziel­grup­pe unter den Lehr­kräf­ten, für die das inter­es­sant wäre, näm­lich die bis­her digi­tal Vor­sich­ti­gen, ist der tat­säch­li­che Nut­zen dann doch eher begrenzt. Die­se Dis­kre­panz aus öffent­li­cher Dar­stel­lung und schmuck­lo­ser Rea­li­tät bringt mich hier an die Gren­ze des­sen, was ich noch sach­lich in der Bera­ter­tä­tig­keit ver­mit­teln kann.

Die vierte Geschichte

Mei­ne Twit­ter­ak­ti­vi­tä­ten sind sehr begrenzt gewor­den, ich fil­te­re viel und mute Din­ge, die mich ggf. trig­gern könn­ten. Vor Grals­hü­tern kann man sich auch durch die­se Tak­tik kaum schüt­zen. Sach­lich stimmt alles, Schu­le ist voll reform­be­dürf­tig und Prü­fungs­kul­tur muss sich ändern – kein Dis­senz soweit. Aber in der pan­de­mi­schen Situa­ti­on neh­me ich gera­de ande­re Bedürf­nis­se und ande­re Not­wen­dig­kei­ten wahr – nicht alle gefal­len mir inhalt­lich. Eini­ges lässt sich durch bestimm­te Wei­chen­stel­lun­gen in Bah­nen len­ken, die spä­ter eher einen offe­nen Ent­wick­lungs­rah­men bie­ten. Und es wer­den nicht die Men­schen gehört, die inhalt­lich am wei­tes­ten sind, son­dern die­je­ni­gen, die die momen­ta­nen prag­ma­ti­schen Not­wen­dig­kei­ten am ehes­ten bedie­nen. Schon schlimm, ich weiß. Ich bin vol­ler Bewun­de­rung für Bücher, die zum neu­en Ler­nen gera­de ent­ste­hen. Ich könn­te erst nach län­ge­rer Erfah­rung über die­se Din­ge schrei­ben und weiß noch viel zu wenig über Distanz­ler­nen oder die Gestal­tung von Videokonferenzen.

Was ist das Gemeinsame an allen Geschichten?

Ich habe sehr lan­ge gesucht, ob es irgend­ei­nen gemein­sa­men Nen­ner gibt. Ich glau­be vor­sich­tig, dass der Schlüs­sel im Begriff der Pro­fi­lie­rung liegt und dass Digi­tal­the­men hier in beson­de­rem Maße unpro­duk­ti­ve Pro­fi­lie­rung fördern.

Poli­tik muss sich pro­fi­lie­ren, was oft genug über Zah­len funk­tio­niert. Das ist so gelernt, dass man dar­an letzt­lich gemes­sen wird. Man­che Jour­na­lis­ten müs­sen sich pro­fi­lie­ren, weil Digi­tal­the­men nun­mal ganz oben in der Wahr­neh­mung sind. Ver­ant­wort­li­che für Beschaf­fungs­pro­zes­se kön­nen sich pro­fi­lie­ren, indem mög­lichst schnell mit mög­lichst gro­ßen Zah­len etwas beschafft wird. Beschaf­fun­gen sind dann gut, wenn sie öffent­lich sicht­bar sind, d.h. wenn man sich vor ihnen foto­gra­fie­ren las­sen kann. Dann ist „die Öffent­lich­keit“ zufrie­den und damit auch die Poli­tik. Mit mög­lichst radi­ka­len The­sen zum Umbau des Schul­sys­tems kann man sich pro­fi­lie­ren und wird gehört. Das ist z.B. auch eine mei­ner Pro­fi­lie­rungs­an­sät­ze, das „Brain“ zu sein, zu hin­ter­fra­gen, es kom­plex zu machen.  Mit immer neu­en Meta-Platt­for­men kann man sich pro­fi­lie­ren und zwar bit­te jede Insti­tu­ti­on immer wie­der neu. Da geht es gar nicht um Inhal­te, da geht es um Darreichungsformen.

Päd­ago­gi­sche Kon­zep­te und päd­ago­gi­sche Arbeit kann man nicht foto­gra­fie­ren. Man braucht zudem Zeit, um sie zu ver­ste­hen. Und es braucht noch mehr Zeit, um sie zu ent­wi­ckeln und in die­sem Ent­wick­lungs­pro­zess zu ler­nen. Es ist dif­fu­ses Wis­sen in einer Regi­on, was die eine Schu­le kann und die ande­re nicht. Der Erfolg sol­cher Kon­zep­te ist ein stil­ler. Gefühlt sind mei­ne Bera­tun­gen erfolg­rei­cher, wenn ich stil­ler bin, mehr zuhö­re, weni­ger pla­ka­tiv auf­tre­te, mich zurück­neh­me – weil ich dann bes­ser weiß, was ich sagen oder fra­gen „darf“.  Pro­fi­lie­rung ver­gif­tet inhalt­li­che Arbeit, sie stellt sich davor und über­strahlt mit ihrem LED-Kalt­licht­schein­wer­fer jedes war­me Glü­hen. Ich erle­be es oft, dass wir Män­ner damit ein viel grö­ße­res Pro­blem als Frau­en haben.

Vie­le Lehr­kräf­te machen sich gera­de auf den Weg und neh­men zum ers­ten Mal Tech­nik in die Hand. So wie sie es tun, hat es viel­leicht zunächst noch nichts mit Digi­ta­li­sie­rung zu tun. Was nicht pas­sie­ren darf ist, jetzt zusätz­lich zu sagen: „Du musst es von Anfang an mit einem ande­ren Mind­set­ting dar­an! Die bist erwach­sen und stu­diert!“ Pan­de­mie + Tech­nik + Mind­set ist viel­leicht – zumin­dest für ganz „nor­ma­le“ Men­schen – gera­de dann doch etwas ein klein wenig zu viel.

 

 

 

 

Schulöffnungen – und täglich grüßt das Murmeltier

Wir kön­nen mit etwas Pech die Schu­len jetzt für kur­ze Zeit öff­nen, um sie dann nach kur­zer Zeit wie­der lan­ge schlie­ßen zu müssen.

Oder wir kön­nen mit etwas Glück die Schu­len jetzt für kur­ze Zeit noch geschlos­sen hal­ten, um sie dann umso län­ger öff­nen zu können.

Das Hygie­nekon­zept für Schu­len besteht nach wie vor in Lüf­ten, Mas­ke, Abstand und viel­leicht auch noch Schnell­tests. Mit 15 Per­so­nen in einem Raum. Und Schüler:innenbeförderung.

Für FFP2-Mas­ken für Lehr­kräf­te hat es bis­her nicht so ganz gereicht. Mal sehen, wie das mit den wesent­lich teu­re­ren Schnell­test klappt, die bis­her immer noch von medi­zi­ni­schem Fach­per­so­nal durch­ge­führt wer­den müssen.

Wenn der ers­te Fall ein­tritt, wüss­te man end­lich mit ziem­li­cher Sicher­heit, dass sym­ptom­lo­se Kin­der und Jugend­li­che Trei­ber der dann 3. Wel­le wären.

Zusätz­lich wür­de das kein Kul­tus­mi­nis­ter und kei­ne Kul­tus­mi­nis­te­rin poli­tisch über­le­ben. Und das wäre dann mei­ner Mei­nung auch rich­tig so.

Ich glau­be nicht mehr so recht an das Glück in die­ser Pan­de­mie. Ich bin völ­lig ratlos.

 

 

 

 

Gestürmte Videokonferenzräume, gestörter Unterricht

Zur­zeit häu­fen sich die Mel­dun­gen über geziel­te Stö­run­gen im Online­un­ter­richt. Beson­ders betrof­fen ist Online­un­ter­richt, der auf syn­chro­ne For­ma­te setzt: Dabei wird Unter­richt nach Stun­den­plan in den häus­li­chen Bereich der Schüler:innen übertragen.

Akti­vie­ren Sie Java­Script um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=oc_ZPt-LVBQ

Die­se Vor­fäl­le sind wahr­schein­lich die abso­lu­te Aus­nah­me und in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung über­be­tont. Die meis­ten Vor­fäl­le sind harm­lo­se Strei­che und beinhal­ten ledig­lich das Aus­tes­ten von Gren­zen. Aber sie kön­nen vor­kom­men und es kann theo­re­tisch jeden tref­fen.

 

Welche Art von Störungen können auftreten?
  1. Nicht zur Klas­se gehö­ri­ge Per­so­nen betre­ten den Video­kon­fe­renz­raum und reden dazwischen.
  2. Nicht zur Klas­se gehö­ri­ge Per­so­nen tei­len nicht jugend­freie Inhal­te per Bild­schirm­frei­ga­be oder Abspie­len eines Videos.
  3. Online-Unter­richt wird von Schüler:innen abge­filmt und an ande­rer Stel­le ver­öf­fent­licht. Zusätz­lich kann das Mate­ri­al bear­bei­tet sein.
  4. Online-Unter­richt wird von Eltern abge­filmt und in Eltern­grup­pen zur Dis­kus­si­on gestellt, ggf. sogar der Schul­lei­tung vorgelegt.
Welche Lehrkräfte und Schüler:innen sind besonders betroffen?

Unsi­che­re Lehr­kräf­te ver­lie­ren durch das Strea­ming in den häus­li­chen Bereich Kon­trol­le und ihren Schutz­raum. Poten­ti­el­les Fehl­ver­hal­ten und päd­ago­gi­schen Unver­mö­gen wird auch ohne Video- und Ton­auf­nah­men in einer Wei­se trans­pa­rent, was im rein ana­lo­gen Raum nur mit gro­ßen sozia­len Hür­den mög­lich würde.

Schüler:innen in wirt­schaft­lich oder per­sön­lich schwa­chen Posi­ti­on sind beson­ders gefähr­det, Opfer von Über­grif­fen zu wer­den. Nicht sel­ten gibt es bereits Erfah­run­gen im Freun­des­kreis, wo z.B. Men­schen durch Video- und Ton­auf­nah­men in Mes­sen­gern oder sozia­len Medi­en bloß­ge­stellt wur­den. In man­chen Klas­sen müs­sen Vor­be­hal­te, der Schüler:innen, sich mit der Kame­ra hin­zu­zu­schal­ten auch vor die­sem Hin­ter­grund betrach­tet werden.

Strafrechtlich relevant oder nicht?

Ich beob­ach­te sehr oft eine gro­ße Scheu, Vor­fäl­le an die Poli­zei abzu­ge­ben. Ich bin der Mei­nung, dass das bei jeder Akti­on der Fall sein muss, bei der sich eine Straf­bar­keit nach StGB ergibt, z.B.

  • Zugäng­lich­ma­chung von por­no­gra­fi­schem Material
  • Anfer­ti­gung von Bild- und Ton­auf­nah­men mit dem Ziel der Wei­ter­ga­be und Bloß­stel­lung der Auf­ge­nom­me­nen unab­hän­gig davon, ob es sich um Schüler:innen oder Kolleg:innen handelt.

Ich habe schon öfter mit sehr guten Erfah­run­gen in ver­gleich­ba­ren Fäl­len mit dem Prä­ven­ti­ons­team unser ört­li­chen Poli­zei zusam­men­ge­ar­bei­tet. Viel­leicht bleibt im ers­ten Moment etwas an der Schu­le hän­gen – das ver­geht aber schnell und ist weit weni­ger schlimm als eine Häu­fung der­ar­ti­ger Vor­fäl­le, die einen irgend­wann zu einer dann ver­spä­te­ten Reak­ti­on zwin­gen und erheb­li­che Vor­wür­fe in der Öffent­lich­keit nach sich ziehen.

Dass inner­halb der Klas­se jemand gezielt stört oder Unsinn im Chat macht, gehört selbst­ver­ständ­lich in den Bereich der päd­ago­gi­schen Inter­ven­tio­nen. Vie­les lässt sich tech­nisch lösen, aber um den Preis von viel weni­ger Frei­heit und Raum für Krea­ti­vi­tät für die gesam­te Lerngruppe.

Was kann man tun, um sich zu schützen?

Auf­nah­me von Bild und Ton

Vor Auf­nah­men von Bild und Ton im häus­li­chen Bereich der Schüler:innen kann man sich gar nicht schüt­zen. Ich wür­de aber gene­rell davon abra­ten, die Auf­nah­me­funk­ti­on von Video­kon­fe­renz­soft­ware zu ver­wen­den. Das häre Ziel, auch abwe­sen­den Per­so­nen die Inhal­te einer Schul­stun­de spä­ter zur Ver­fü­gung zu stel­len erkauft man sich mit einer immensen Men­ge urhe­ber- und daten­schutz­recht­lich rele­van­ter Fra­ge­stel­lun­gen und einem zeit­lich poten­ti­ell fast unli­mi­tier­ten Missbrauchspotential.

Tech­ni­sche Ver­hin­de­rung von Störungen

Ver­wen­den Sie grund­sätz­lich nur Video­kon­fe­renz­lö­sun­gen, die eine Zugriffs­steue­rung ermög­li­chen, u.a.z.B.:

  • vor dem Betre­ten ist ein per­so­na­li­sier­tes Log­in in eine Platt­form not­wen­dig. In der Teil­neh­men­den­lis­te ste­hen idea­ler­wei­se die kor­rek­ten Namen
  • der Kon­fe­renz­raum ver­fügt über einen War­te­be­reich. Sie bestim­men, wer in den Kon­fe­renz­raum gelangt.
  • die Video­kon­fe­renz­lö­sung bie­tet Ihnen die Mög­lich­keit, Teilnehmer:innen in ihren Rech­ten als letz­tes Mit­tel ein­zu­schrän­ken, sie zu blo­cken oder aus dem Kon­fe­renz­raum zu entfernen
  • die Auf­nah­me­funk­ti­on der Video­kon­fe­renz­soft­ware soll­te glo­bal deak­ti­viert sein.

Abzu­ra­ten ist von frei ver­füg­ba­ren Jit­si-Räu­men.  Die­se sind oft allein durch einen Link zugäng­lich, der leicht an Drit­te wei­ter­ge­ge­ben wer­den kann.

Jit­si selbst kann aber vom Betrei­ber des Jit­si-Ser­vers mit den ent­spre­chen­den Sicher­heits­ein­stel­lun­gen kon­fi­gu­riert wer­den, so dass z.B. ein Log­in erfor­der­lich ist.

Wenn es doch etwas passiert, was Sie überfordert

Holen Sie sich Hil­fe, z.B. beim Per­so­nal­rat Ihrer Schu­le oder im Rah­men einer Erst­be­ra­tung zu über­schau­ba­ren Kos­ten bei einem Rechts­an­walt. Auch Ihre Schul­lei­tung ist im Rah­men der Für­sor­ge­pflicht ver­pflich­tet, Sie zu unterstützen. 

Das ist ins­be­son­de­re wich­tig, wenn Sie sich in einem ers­ten, nach­voll­zieh­ba­ren Impuls die Opti­on einer Anzei­ge bei der Poli­zei offen­hal­ten wol­len. Bei Antrags­de­lik­ten geht das, ande­re Delikts­for­men müs­sen sogar ange­zeigt und von der Staats­an­walt­schaft ver­folgt werden. 

Dienstgeräte

Die­se Über­schrift ist mei­ner Mei­nung nach schon irre­füh­rend. Es kann kei­ne Dienst­ge­rä­te aus dem För­der­pro­gramm des Bun­des geben, bzw. kei­ne Gerä­te, die den Sta­tus „Dienst­ge­rät“ erhal­ten werden.

Was sind Dienstgeräte?

Auf Dienst­ge­rä­te wer­den u.a. Daten ver­ar­bei­tet, die im dienst­li­chen Kon­text ent­ste­hen, z.B. Noten, Adress­da­ten usw. von Schutz­be­foh­le­nen, Fotos, sons­ti­ge Leis­tungs­da­ten etc.. Viel­leicht wer­den auch dienst­li­che Vor­gän­ge dar­über abge­wi­ckelt, z.B. Rei­se­kos­ten- oder Bei­hil­fe­an­trä­ge. Ein Dienst­ge­rät muss daher mit tech­ni­schem Sup­port ver­se­hen und vom Dienst­herrn inter­ve­nier­bar sein, wenn gleich­zei­tig bei Lehr­kräf­ten der Anspruch nach Daten- und Rechts­si­cher­heit bei der Nut­zung vor­han­den ist. Das ist bei offe­nen Gerä­ten, die indi­vi­du­ell anpass­bar sind, schlicht nicht mög­lich: Orga­ni­sa­to­risch, per­so­nell und tech­nisch nicht. Es mag Schu­len geben, denen das gelingt.

Dienst­ge­rä­te adres­sie­ren aber Kolleg:innen an klei­nen Grund­schu­len eben­so wie Kolleg:innen gro­ßer berufs­bil­den­der Schu­len. Für indi­vi­du­el­le Bedürf­nis­se ist da kein Platz, wenn es Sup­port, Daten- und damit auch Rechts­si­cher­heit geben soll.

Was sind Privatgeräte?

Pri­vat­ge­rä­te sind Gerä­te durch Durch­füh­rung und Vor­be­rei­tung des eige­nen Unter­richts. Sie sind durch Nutzer:innen indi­vi­du­ell an Bedürf­nis­se anpass­bar, dort kann eige­ne Soft­ware instal­liert und erprobt wer­den. Mit Pri­vat­ge­rä­ten dür­fen Ver­wal­tungs­da­ten nur unter hohen Auf­la­gen oder online auf z.B. Lan­des­platt­for­men ver­ar­bei­tet wer­den, wenn das Gerät nur als Zugangs­ge­rät genutzt wird. Das treibt z.B. selt­sa­me Blü­ten, dass z.B. dienst­li­che E‑Mailadressen bereit­ge­stellt wer­den, aber nicht mit lokal instal­lier­ten Cli­ents (Thun­der­bird, Out­look, App­le­Mail) ver­ar­bei­tet wer­den dür­fen. Pri­vat­ge­rä­te sind nicht inter­ve­nier­bar. Durch unzäh­li­ge denk­ba­re Pro­gram­me oder auch Betriebs­sys­te­me kann für ein sol­ches Gerät mit ver­tret­ba­rem per­so­nel­len Auf­wand kein Sup­port und kei­ne Daten- sowie Rechts­si­cher­heit ermög­licht werden.

Was wollen viele Lehrkräfte?

Vie­le Lehr­kräf­te möch­ten maxi­ma­le indi­vi­du­el­le Frei­heit auf ihrem Gerät. Gleich­zei­tig wün­schen sie aber umfas­sen­den Sup­port und Daten- sowie Rechts­si­cher­heit. Und natür­lich das neu­es­te Modell mit Magne­si­um­ge­häu­se. Und bei 40 Kolleg:innen bit­te 50 Gerä­te­va­ri­an­ten (Sor­ry für den Rant).

Das ist nicht zu leis­ten. Schon gar nicht bei klei­nen Schul­trä­gern, die die gro­ße Mehr­heit stellen.

Daher wird es bei der End­ge­rä­te­för­de­rung für Lehr­kräf­te mei­ner Mei­nung nach nie um Gerä­te gehen kön­nen, die den Sta­tus eines Dienst­ge­rä­tes (s.o.) erhal­ten. Es kann nur um Gerä­te mit dem Sta­tus eines Pri­vat­ge­rä­tes gehen. Ech­te Dienst­ge­rä­te wer­den nicht akzep­tiert wer­den, da die­se eine recht stren­ge Stan­dar­di­sie­rung erfordern.

Daher wäre es am ein­fachs­ten, allen Lehr­kräf­ten ein­fach einen Zuschuss mit dem Gehalt aus­zu­zah­len. Dann kann jeder machen, was er will, es gibt kei­ne Aus­schrei­bungs­mo­da­li­tä­ten zu beach­ten und kei­nen Ärger.

Wenn sich die Trä­ger wirk­lich auf irgend­et­was ande­res ein­las­sen wür­den – mei­ne Hoch­ach­tung wäre groß, mei­ne Ver­wun­de­rung wür­de kei­ne Gren­zen ken­nen. Selbst bei klei­nen Trä­gern ste­hen da schnell mal 100 Lehr­kräf­te mit ihrem indi­vi­du­ell ein­ge­rich­te­ten Gerät bei jedem Pro­blem auf der Matte.

Eine Lösung

Eine aus mei­ner Sicht sehr gute Lösung wäre, den Lehr­kräf­ten ein­fach einen Zuschuss für ein Pri­vat­ge­rät aus­zu­zah­len und gleich­zei­tig eine Cli­en­t­an­wen­dung zu ent­wi­ckeln, die eine siche­re Kom­mu­ni­ka­ti­on mit einem Lan­des­netz ermög­licht, in dem dann alle Ver­wal­tungs- und Ver­ar­bei­tungs­vor­gän­ge online mit Trans­port­ver­schlüs­se­lung ablau­fen. Das ist auf jedem Betriebs­sys­tem mög­lich. Die loka­le Ver­ar­bei­tung von dienst­li­chen Daten auf dann die­sem Pri­vat­ge­rät wird ein­fach unter­sagt. Dann kann jeder machen, was er oder sie will. Sup­port gibt es dann nur für die Online­an­wen­dun­gen im Lan­des­netz und bei der Instal­la­ti­on des „Lan­des­cli­ents“. Lei­der fehlt dafür eine win­zi­ge Klei­nig­keit: Ein ent­spre­chend auf­ge­stell­tes Lan­des­netz. Ach­so – und ein Landesclient.

Warum bekommen es die Kultusministerien es einfach nicht hin mit den Schulclouds?

Mebis ist vor den Weih­nachts­fe­ri­en unter der Last der Nut­zer­an­fra­gen zusam­men­ge­bro­chen. Das hat vie­le Nach­fra­gen aus­ge­löst und Was­ser auf die Müh­len der­je­ni­gen lau­fen las­sen, die pro­prie­tä­re Lösun­gen wie MS-Teams bevor­zu­gen: „Siehs­te, die Kul­tus­mi­nis­te­ri­en bekom­men es nicht auf die Rei­he!“ Ich möch­te in die­sem Arti­kel ein­mal eine Lan­ze bre­chen für die Situa­ti­on, in denen sich Fach­re­fe­ra­te in Kul­tus­mi­nis­te­ri­en befin­den und vor wel­chen Auf­ga­ben sie ste­hen, wenn man wirk­lich eine Platt­form lan­des­weit zur Ver­fü­gung stel­len möchte.

Shortread

  • Fach­per­so­nal mit IT-Kom­pe­tenz ist im öffent­li­chen Bereich rar. Wer hier etwas errei­chen und krea­tiv oder prag­ma­tisch sein möch­te, muss oft Ent­schei­dun­gen tref­fen und Men­schen blind ver­trau­en, die er/sie zunächst nicht ver­steht. Man braucht Mut zum Han­deln. Der wird aber nicht belohnt – schon gar nicht von der Öffent­lich­keit (s.u.).
  • Han­delt man ein­fach und setzt um, kom­men mit Sicher­heit kri­ti­sche Nach­fra­gen zum Aus­schrei­bungs­recht. Das ist momen­tan kaum ein­zu­hal­ten. Bei den Sum­men, von denen wir reden, kom­men wir zumin­dest mit dem Anspruch „lan­des­weit“ immer in die euro­pa­wei­te Aus­schrei­bung. Wenn man es ganz eng am Aus­chrei­bungs­recht macht, muss man offen aus­schrei­ben und kann das spä­te­re Pro­dukt nur in Gren­zen vorherbestimmen.
  • Beach­tet man das Aus­schrei­bungs­recht, kom­men mit Sicher­heit kri­ti­sche Nach­fra­gen zum The­ma Daten­schutz. Der tech­ni­sier­te Schul­be­trieb auf Distanz stellt ohne trans­pa­rent und demo­kra­tisch ver­ab­schie­de­te gesetz­li­che Rege­lun­gen für man­che Kri­ti­ker per se „einen schwe­ren Grund­rechts­ein­griff“ dar. Dass Schu­le, die gar nicht statt­fin­det, auch Grund­rech­te berüh­ren könn­te, ist bei den Nach­fra­gen­den oft nicht so ent­schei­dend – auch nicht, dass beim Betrieb durch die öffent­li­che Hand Daten in der öffent­li­chen Hand ver­blei­ben und For­ma­lia im Prin­zip nach­ge­holt wer­den könnten.
  • Beach­tet man das Aus­schrei­bungs­recht und Daten­schutz­recht kom­men kri­ti­sche Nach­fra­gen zur Ein­bin­dung der Betrof­fe­nen in den Ent­schei­dungs­pro­zess. Die Berück­sich­ti­gung von Daten­schutz­aspek­ten schränkt tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten erheb­lich ein. Die Lösun­gen, die dabei her­aus­kom­men müs­sen, wer­den fast zwangs­läu­fig päd­ago­gisch unbe­frie­di­gend sein.

Das kann man alles berück­sich­ti­gen und machen. Es dau­ert aber Jah­re. Die Minis­te­ri­en kön­nen also han­deln und dafür öffent­lich „auf die Fres­se“ bekom­men oder sie kön­nen die not­wen­di­gen Schrit­te für eine trans­pa­ren­te und rechts­fes­te Umset­zung gehen und für ihre Lang­sam­keit „auf die Fres­se“ bekommen.

Ja, das hät­te man ggf. weit frü­her in Angriff neh­men müs­sen. Hat man aber nicht. Dafür gibt es ja auch berech­tigt „auf die Fres­se“. Aber hel­fen tut das auch nicht gerade.

Der Aus­weg: Man han­delt jetzt sys­tem­lo­gisch m.E. oft gera­de so, dass man sich nicht dem Untä­tig­keits­vor­wurf aus­set­zen muss, aber auch nicht zu viel Geld ver­senkt, was man dann spä­ter ver­ant­wor­ten muss. Das die­se oft­mals „Ver­le­gen­heits­lö­sun­gen“ im Betrieb mit allen Schüler:innen nicht stand­hält, ist lang­fris­tig bes­ser ver­ant­wort­bar, als wenn man gleich sehr viel Geld inves­tiert hät­te. „Es waren halt die Umstände!“

Longread

Schau­en wir uns mal Mood­le an und tun wir so, als woll­ten für das lan­des­weit aus­rol­len. Dar­an lässt sich ganz hübsch die gesam­te Band­brei­te an Her­aus­for­de­run­gen zeigen:

Mood­le ist erst­mal so eine Art Pro­gramm. Eigent­lich noch viel weni­ger. Es ist viel mehr ein Text mit vie­len Anwei­sun­gen. Die­ser Text muss von einem Über­set­zer („Inter­pre­ter“) in etwas über­setzt wer­den, was ein Brow­ser wie Fire­fox oder Chro­me anzei­gen kann. Das nennt man „Sei­ten­quell­text“ und den kann man sich anzei­gen las­sen, wenn man auf einer Inter­net­sei­te die rech­te Maus­tas­te drückt und „Sei­ten­quell­text anzei­gen“ aus­wählt. Die­ser Sei­ten­quell­text wird von einem wei­te­ren, dies­mal ech­ten Pro­gramm („Web­ser­ver“) an den Brow­ser bzw. Anwen­der aus­ge­lie­fert. Für das Pro­ze­de­re braucht man pri­mär einen schnel­len Pro­zes­sor (CPU). Etwas Haupt­spei­cher (RAM) gehört auch dazu.

Damit Mood­le Daten spei­chern und aus­ge­ben kann, wird ein Daten­bank­sys­tem (DBMS) ver­wen­det. Das ist ein Pro­gramm, wel­chen Daten sehr effi­zi­ent spei­chern und i.d.R. noch viel effi­zi­en­ter wie­der aus­ge­ben kann. Das klappt beson­ders gut, wenn die Daten mög­lichst voll­stän­dig im Haupt­spei­cher (RAM) lie­gen. Selbst eine SSD ist deut­lich lang­sa­mer beim Zugriff.

Gro­ße Datei­en las­sen sich nicht sinn­voll in einem Daten­bank­sys­tem able­gen. Mood­le legt nur Ver­wei­se (Links) in sei­ne Daten­bank, die dem Mood­le­code sagen, wo ein Bild oder eine PDF-Datei zu fin­den ist. Datei­en wer­den in Sto­rages gela­gert. Für den RAM wären sie schlicht zu groß. Sto­rages kön­nen SSDs (teu­er) oder nor­ma­le Fest­plat­ten (güns­tig) sein. Mood­le ver­schlüs­selt aber sei­ne Datei­en. Zum Ver- und Ent­schlüs­seln braucht man wie­der­um CPU-Leis­tung. RAM zum Aus­lie­fern braucht man ver­hält­nis­mä­ßig wenig, da Datei­en in klei­nen Por­tio­nen und nicht voll­stän­dig ver­schickt werden.

Wenn man Mood­le selbst auf­setzt, wird man i.d.R. sowas bauen:

Alle drei Kom­po­nen­ten lau­fen auf dem glei­chen Ser­ver und kon­kur­rie­ren dann um CPU, RAM und Sto­rage. Man kann für 50,- Euro Ser­ver mie­ten, die für 800‑1000 Schüler:innen aus­rei­chen. Aller­dings kommt es sehr stark auf die Nut­zung an: Wenn man vor­wie­gend Kur­se baut, in denen ledig­lich Auf­ga­ben und PDFs koexis­tie­ren, klappt das spie­lend. Die dazu nöti­gen Abfra­gen sind harm­los. Wenn aber z.B. das Test­mo­dul oder der Chat exzes­si­ver genutzt wer­den, kann es schnell aus sein mit der Freu­de an der tol­len Funk­ti­on. Dann muss man den nächst­grö­ße­ren Ser­ver kau­fen oder her­um­op­ti­mie­ren (mehr als 15–20% holt man damit aber nach mei­ner Erfah­rung nicht raus).

Ich bin davon über­zeugt, dass alle Instal­la­tio­nen von Mood­le auch auf Lan­des­ebe­ne genau so ange­fan­gen haben: Erst mal einen Test­ser­ver auf­set­zen und schau­en, wie der Betrieb so läuft.

Das Spiel „Hard­ware upgraden“ ist aber irgend­wann zu Ende: Wenn vie­le Anfra­gen her­ein­kom­men, star­tet der Web­ser­ver mehr Inter­pre­ter. Die­se pro­du­zie­ren dann mehr Anfra­gen an das Daten­bank­sys­tem. Und sie bele­gen mehr RAM.

Der Mood­le­ser­ver fängt an zu ster­ben, wenn die Daten aus der Daten­bank nicht mehr in den Haupt­spei­cher pas­sen. Dann kom­men die­se Daten auf die lang­sa­me Fest­plat­te. Dadurch stau­en sich Anfra­gen, die das DBMS unter nor­ma­len Umstän­den spie­lend bewäl­tigt hät­te und immer mehr Inter­pre­ter müs­sen war­ten und wer­den nicht been­det. Wenn RAM und Aus­la­ge­rungs­spei­cher voll sind, wer­den die Über­le­bens­in­stink­te des Betriebs­sys­tems geweckt. Die­ses beginnt nun damit, Inter­pre­ter zu been­den, um wie­der RAM frei zu bekom­men. Die Anfra­gen an die­se Inter­pre­ter lau­fen nun ins Nir­wa­na und es geht für den Nut­zer ent­we­der ins Nir­wa­na (Con­nec­tion timed out) oder mit einem letz­ten Lebens­zei­chen in den Kur­ort (500 – Bad Gate­way). Ein Absturz ist das tech­nisch gese­hen nicht. Das Sys­tem selbst funk­tio­niert ja noch, tut aber nicht das, was es soll.

Was tun?

Eine simp­le Mög­lich­keit besteht dar­in, die Arbeit ein­fach auf meh­re­re Ser­ver zu ver­tei­len. Das geht mit die­sem ein­fa­chen Ver­fah­ren, wenn Schu­len jeweils eige­ne Mood­le­sys­te­me erhal­ten sollen,

Wenn man merkt, dass ein Ser­ver über­las­tet ist, schiebt man die ent­spre­chen­de Schu­le ein­fach auf einen neu­en. Man kann auch Schu­len, die nicht viel Last erzeu­gen, mit meh­re­ren ande­ren auf einen Ser­ver packen. Kom­men neue Schu­len, kauft man neue Ser­ver dazu.

Ich baue davor ger­ne noch einen Pro­xy. Ein Pro­xy spei­chert Sei­ten, die schon ein­mal von Mood­le gebaut wor­den sind in sei­nem Spei­cher als Kopie. Wenn ein Anwen­der wie­der genau die­se Sei­te anfor­dern, muss man nicht den Mood­le­ser­ver selbst damit behel­li­gen. Die ein­zel­nen Mood­le­ser­ver machen dabei immer noch alles gleich­zei­tig: Mood­le­code + DBMS + Storage.

Für so ein Set­up muss man erheb­lich mehr kön­nen als beim ers­ten. Vor allem beim Über­wa­chen der Ser­ver. Und man soll­te z.B. das Ver­schie­ben einer Schu­le auf einen ande­ren Ser­ver tun­lichst auto­ma­ti­sie­ren. Sich einen Root­ser­ver mie­ten und mit einem Ver­wal­tungs­tool Mood­le zu instal­lie­ren rei­chen dann nicht mehr. Trotz­dem ist das Set­up sehr sim­pel, da die Mood­les­ser­ver für sich selbst­stän­dig arbei­ten. Den Pro­xy kann man z.B. durch Fai­l­over-IPs im Not­fall als „sin­gle point of fail­u­re“ auto­ma­tisch eliminieren.

Ich wet­te, dass auch auf Lan­des­ebe­ne das oft die ers­te Eska­la­ti­ons­stu­fe ist, weil man sol­che Set­ups selbst als Laie noch mit eige­nen Mit­teln hinbekommt.

Mebis hat noch mehr Probleme

Mebis ist eine zen­tra­le Instal­la­ti­on. Es gibt kei­ne Seg­men­tie­rung in Ein­zel­mood­le­sys­te­me für Schu­len. Wil­des Her­um­ge­schie­be der Schu­len ist nicht mög­lich. Also muss man noch eine Schip­pe Kom­ple­xi­tät drauf­le­gen und jetzt wirk­lich skalieren.

Man trennt jetzt kei­ne Mood­les­sys­te­me – das geht ja auch gar nicht. Man trennt die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten wie Mood­le­code, DBMS und Sto­rage auf. Man kann dadurch die ein­zel­nen Ser­ver auf ihre Auf­ga­be hin opti­mie­ren. Für den Mood­le­code viel CPU-Wumps, für die Daten­bank viel Spei­cher. Und man kann Read-Only-Daten­ban­ken vor­hal­ten, aus den nur gele­sen wird. Schrei­bope­ra­tio­nen bei Mood­le sind ver­gleichs­wei­se gering. Ein dies­mal rich­ti­ger Load­ba­lan­cer ent­schei­det je nach Aus­las­tung der CPU-Nodes, wohin die Anfra­ge geht. Wenn es nicht reicht, stellt man neue Ser­ver dazu. Wenn man es gut macht, belie­big vie­le. Für ein gan­zes Bun­des­land wird man das über Rechen­zen­trums­gren­zen hin­aus machen müs­sen. Und die Ser­ver müs­sen unter­ein­an­der durch schnel­le Ver­bin­dun­gen ver­netzt sein. Die Daten müs­sen ja unter den DBMS- und Sto­rage-Ser­vern schnell aktua­li­siert wer­den Moni­to­ring bleibt Pflicht. Und Back­ups. Und Desaster-Recovery.

Durch Auto­ma­ti­sie­rung kann man schnell reagie­ren. Gro­ße Anbie­ter wie its­lear­ning dürf­ten ver­gleich­ba­re Set­ups fah­ren und selbst die haben sich bezüg­lich der Anfra­ge­men­ge beim Wech­sel ins Schul­sze­na­rio C offen­bar stel­len­wei­se verkalkuliert.

Micro­soft und Goog­le stel­len aller Wahr­schein­lich­keit nach nicht mal mehr eige­ne Ser­ver für sol­che Auf­ga­ben hin. Das wird so ziem­lich alles in wirk­lich gro­ßen Rechen­zen­trum mit aber­tau­sen­den von Maschi­nen vir­tua­li­siert sein. Bei einer dro­hen­den Über­las­tung „bläst“ sich das Sys­tem dann auto­ma­ti­siert auf.

Das Problem der Ausschreibung

Das letz­te Set­up kann man nicht durch eine beschränk­te Aus­schrei­bung (drei Ver­gleichs­an­ge­bo­te) bekom­men. Da geht es um mehr Taler. Das Teu­re ist weni­ger die spä­ter Ska­lie­rung (der Zubau an Ser­vern). Das Teu­re ist der Gehirn­schmalz, der in die Kon­zep­ti­on flie­ßen muss. Schon für die Aus­schrei­bung braucht man für das Las­ten­heft immense tech­ni­sche Kennt­nis­se. Wer bei der Kon­zep­ti­on einer Aus­schrei­bung mit­wirkt (und so jeman­den wird man brau­chen), darf übri­gens spä­ter nicht mehr mitbieten.

Schon ein klei­nes Set­up wird dadurch immens teu­er. Rech­nen tut sich eine sol­che Vor­be­rei­tung nur bei spä­te­ren Wach­sen in die Brei­te. Daher wird man erst schlicht das Geld dafür nicht bekom­men. Und wenn man es kri­sen­be­dingt dann doch bekommt, sind die Anbie­ter und IT-Spe­zia­lis­ten, die so etwas hoch­zie­hen könn­ten, auf wun­der­ba­re Wei­se mit Auf­trä­gen ausgelastet.

Das ist Men­schen mit begrenz­tem tech­ni­schen Know-How nicht ver­mit­tel­bar. Oder – wäre Coro­na nicht gekom­men – wäre man in der Pres­se bit­ter­bö­se ver­prü­gelt wor­den, dass man so viel Geld für ein so klei­nes Set­up ver­bal­lert hat.

Was wesent­lich leich­ter daher­kommt, ist die Aus­schrei­bung eines spe­zi­fi­schen Pro­dukts wie z.B. Micro­soft Teams. Dafür dürf­ten sogar extra Bera­ter / Lob­by­is­ten von Micro­soft oder Apple oder … ins Haus kom­men, die die Minis­te­ri­en bei der Erstel­lung einer sach­ge­rech­ten Aus­schrei­bung „unter­stüt­zen“. Um das Aus­schrei­bungs­recht ein­zu­hal­ten, müs­sen das streng­ge­nom­men Mitarbeiter:innen einer „Toch­ter“ des Groß­un­ter­neh­mens sein (s.u.).

Und natür­lich ist die­se Vari­an­te für die Fach­re­fe­ra­te der Kul­tus­mi­nis­te­ri­en attraktiv!

Das Datenschutzproblem

Das ein­zi­ge mir bekann­te Sys­tem, das in Zusam­men­ar­beit mit einem Lan­des­da­ten­schutz­in­sti­tut ent­wi­ckelt wor­den ist, ist die nie­der­säch­si­sche Bil­dungs­cloud (NBC). Über die dadurch ver­blei­ben­de Funk­tio­na­li­tät mag sich jeder selbst ein Bild machen. Die NBC bzw. die dar­un­ter­lie­gen­de HPI-Schul­cloud ist unter star­kem Beschuss hin­sicht­lich der Finan­zie­rung – Aus­schrei­bungs­recht halt.

Bei gro­ßen us-ame­ri­ka­ni­schen Anbie­tern ist die Daten­schutz­pro­ble­ma­tik oft noch nicht geklärt. Schlägt ein Kul­tus­mi­nis­te­ri­um hier zu, gibt es öffent­li­chen Unmut. Des­we­gen ist der Daten­schutz der erklär­te Feind der­je­ni­gen, die schnell han­deln und eben­so schnell zu einem funk­ti­ons­fä­hi­gem Sys­tem kom­men wol­len. Auf deren Sei­te ste­hen zur­zeit vie­le Anwen­der, deren Anfor­de­run­gen man eigent­lich oft so zusam­men­fas­sen kann: „Wenn eine öffent­lich finan­zier­te Cloud mir nicht das bie­ten kann, was mir MS-Teams bie­tet, dann ist sie nichts!“ Spoi­ler: Sys­te­me, die den Daten­schutz berück­sich­ti­gen, kön­nen das rein for­mal schon nicht.

Die „Gefahr“, die von gro­ßen Anbie­tern aus­geht, ist eine noch sehr abs­trak­te – wie etwa die Aus­sicht auf die zwei­te Coro­na­wel­le im August für die meis­ten Kul­tus­mi­nis­te­ri­en. Es ist abso­lut nicht abzu­schät­zen, was uns da bei der Ver­wen­dung von Schüler:innendaten durch das Sili­con-Val­ley noch bevor­ste­hen könn­te. Das Ver­trau­en in rei­ne Lern­platt­form­an­bie­ter ist da noch gefühlt grö­ßer – die wer­den ja auch nie­mals an Inves­to­ren ver­kauft wer­den, oder? Bei kom­plett offe­nen Sys­te­men wie z.B. Mood­le hat man als öffent­li­che Hand die vol­le Kon­trol­le und alle Pro­ble­me und Her­aus­for­de­run­gen gegen sich.

Das Beteiligungsproblem

Gegen Anwender:innen, die eine Lösung mit ihren Fea­tures gewohnt sind, lässt sich schwer etwas durch­set­zen, was tech­nisch einen Rück­schritt dar­stellt. Lehr­ma­nage­ment­sys­te­me sind hier viel bes­ser gewor­den, aber eben immer noch nicht rich­tig gut. Außer­dem gibt dann noch Leu­te wie mich, die gro­ße Schwie­rig­kei­ten mit Lehr­ma­nage­ment­sys­te­men haben. Apple, Micro­soft, its­lear­ning, die NBC und Mood­le sind des­halb so erfolg­reich, weil sie Schu­le so abbil­den, wie Schu­le ist: Die Lehr­kraft gibt die Struk­tu­ren bis hin zu „Lauf­we­gen“ (Lern­pfa­de) vor, die die Schüler:innen dann ent­lang­lau­fen. Man kann Lehr­ma­nage­ment­sys­te­me anders nut­zen – nur braucht man sie dann eigent­lich nicht mehr.

Onenote kann das gute, alte Schul­heft tech­nisch am aller­bes­ten imi­tie­ren und zudem alle Hef­te immer für die Lehr­kraft ver­füg­bar machen. Ob letz­te­res ein Vor­teil ist, müss­te man noch dis­ku­tie­ren. Für mich gibt nicht viel Über­grif­fi­ge­res als ein Blick auf alle Bild­schir­me z.B. via Apple Class­room. Aber das ent­spricht den Anfor­de­run­gen, die an Apple her­an­ge­tra­gen werden.

Anwender:innen sind oft in Ver­bän­den orga­ni­siert. Ein Ver­band ist immer das Gegen­über des Kul­tus­mi­nis­te­ri­ums bei Beneh­mens­pro­zes­sen. Die Mit­glie­der wer­den gera­de im Bereich der Anwen­dung digi­ta­ler Tech­no­lo­gie extrem hete­ro­gen sein. Herz­li­chen Glück­wunsch bei der Konsensfindung.

Das Qualifizierungsproblem

Um eine Schul­cloud sinn­voll nut­zen zu kön­nen, muss man in der Anwen­dung digi­ta­ler Werk­zeu­ge kom­pe­tent sein. Las­sen wir die­sen Punkt lie­ber. Der Arti­kel ist eh schon zu lang.

Fazit

Schul­clouds in der öffent­li­chen Hand zu ent­wi­ckeln war auch schon vor Coro­na nicht so ein­fach. Die Kom­pro­miss­lö­sun­gen kön­nen dem jet­zi­gen Ansturm nicht gewach­sen sein und auch nicht pro­blem­los und unbü­ro­kra­tisch auf­ge­pus­tet wer­den. Wenn ich ein Kul­tus­mi­nis­te­ri­um mit der Auf­ga­be einer schnel­len Umset­zung bera­ten müss­te, wür­de ich zu einem Fer­tig­pro­dukt raten.

For­mal sind vie­le Fach­re­fe­ra­te in den MKs fit. Der Weg zu einem Lehr­ma­nage­ment­sys­tem in der öffent­li­chen Hand ist mehr als stei­nig: Tech­ni­sche Exper­ti­se, Aus­schrei­bungs­recht, Betei­li­gungs­ver­fah­ren – alles viel ein­fa­cher mit Lock-in-Lösun­gen, wie es Teams, itu­nes oder auch Web­wea­ver oder its­lear­ning oder <belie­bi­ges Lehr­ma­nage­ment­sys­tem> nun­mal so sind.

Mood­le ist eine ech­te Aus­nah­me, wes­we­gen ich den bay­ri­schen Weg mit Mebis per­sön­lich abso­lut klas­se fin­de. Muss jetzt halt tech­nisch nur noch lau­fen. Wenn es die Bay­ern nicht schaf­fen, ist die Welt­ord­nung nicht nur in der Bun­des­li­ga außer Kraft gesetzt.

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