Themen in Schule nach den Sommerferien – oder meine Angst vor der Angst

Ich habe letz­tes Wochen­en­de abends drau­ßen an einem lan­gen Tisch vor einer Knei­pe geses­sen. Da war nichts geplant oder reser­viert, ich bin ein­fach in der Stadt gewe­sen und habe spon­tan Bekann­te und Freun­de getrof­fen. Alles inner­halb der Coro­na­re­ge­lun­gen mit Abstand und unter frei­em Him­mel. Aber es ist – nord­deut­scher – Som­mer. Man kann drau­ßen sit­zen, Fens­ter öff­nen und vie­le Din­ge tun, die im Herbst oder Win­ter so nicht mehr funk­tio­nie­ren.

Clop­pen­burg hat nicht vie­le fleisch­ver­ar­bei­ten­de Betrie­be, Clop­pen­burg ist die fleisch­ver­ar­bei­ten­de Gegend über­haupt. Viel hängt wirt­schaft­lich am Funk­tio­nie­ren die­ses Sys­tems. Wenn ein Schlacht­hof auch nur zeit­wei­se geschlos­sen wer­den muss, hat dies immense Aus­wir­kun­gen für die gesam­te durch­ge­tak­te­te Lie­fer­ket­te vom Land­wirt bis zum Ver­brau­cher. Geflü­gel über­schrei­tet genorm­te Gewich­te, die Qua­li­tät des Schwei­ne­flei­sches vari­iert – gan­ze Char­gen könn­ten ver­nich­tet wer­den müs­sen – nicht weil das Pro­dukt schlecht wäre – es kann schlicht nicht mehr genormt ver­ar­bei­tet wer­den. Man kann zur Fleisch­in­dus­trie ste­hen wie man will, aber es wird immense sozia­le Aus­wir­kun­gen auf die gesam­te Regi­on haben, wenn Coro­na zu nen­nens­wer­ten Schlie­ßun­gen der Schlacht­hö­fe führt. Befreun­de­te Steu­er­be­ra­ter, die wirk­lich Ein­bli­cke in die Fir­men­bü­cher haben, rech­nen spä­tes­tens im Herbst mit einer Plei­te­wel­le. Mit­tel­ständ­ler gehen mit eige­nem Ver­mö­gen „all in“ die Fir­ma, um Arbeits­plät­ze und Lebens­wer­ke zu ret­ten. Das fällt an sol­chen Aben­den in Neben­sät­zen, Scher­zen, zyni­schen Über­trei­bun­gen.

Bei mir war es an die­sem Abend eine Mischung aus immensem Unwohl­sein: Die­ser gelo­cker­te Sta­tus Quo wird das Maxi­mum sein, was es in den nächs­ten Mona­ten geben wird. Und ich als Beam­ter bin die­sen Markt­zy­klen und Dyna­mi­ken zumin­dest finan­zi­ell kom­plett ent­zo­gen. Ich habe am aller­we­nigs­ten das Recht, Angst zu haben. Ich ins­be­son­de­re, der ich nicht ein­mal mehr unter­rich­te. Dar­über schreibt zur­zeit kaum jemand, das wird aber zuneh­mend kom­men.

Wäre ich noch Voll­zeit im Unter­richt, wäre es mir bestimmt so ergan­gen: „Bis zu den Som­mer­fe­ri­en schaf­fe ich das schon und danach geht es dann ja rela­tiv nor­mal mit dem Kohor­ten­sys­tem wei­ter. Man kann wie­der Arbei­ten schrei­ben, Noten ver­läss­lich geben (aber vie­le schö­ne Din­ge, die Schu­le aus­ma­chen fal­len auch im aller­bes­ten Fall weg …)“.

Was geschieht aber, wenn es so wei­ter­geht wie vor den Som­mer­fe­ri­en? Schu­le ist dann der ver­meint­li­chen rechts­si­che­ren Mög­lich­keit beraubt, Noten zu geben. Die Orga­ni­sa­ti­on von Prü­fun­gen wird kom­plex. Wie in der Fleisch­in­dus­trie: Man kann zu Noten und Bewer­tun­gen ste­hen, wie man möch­te: Der Weg­fall bzw. die Ein­schrän­kun­gen machen etwas mit Men­schen.

Ich glau­be, es wird einen hohen Bedarf an Lösun­gen für die­ses Dilem­ma geben. Und es wird zuneh­mend Kolleg:innen geben, die Angst haben, weil sie gewohn­ter Arbeits­ab­läu­fe und Sicher­hei­ten beraubt sind, sich in ihren Struk­tu­ren(!) umstel­len müs­sen.

Als digi­ta­ler Kämp­fer habe ich mir lan­ge Zeit immer gedacht: Du musst nie­man­den ändern. Wer sich nicht ändert, wird von den Umstän­den des Kul­tur­wan­dels geän­dert. Aber ich habe dabei nicht an Coro­na gedacht, son­dern eher an zivil­ge­sell­schaft­li­che Impul­se.

Im Twit­ter­leh­rer­zim­mer scheint immer alles so ein­fach und manch­mal schwarz und weiß. „Die Kri­se bie­tet Chan­cen der Schul­ent­wick­lung“ ist z.B. ein gän­gi­ger Satz. Objek­tiv ist das auch so. Aber die Welt funk­tio­niert so nicht. Nicht sach­lich, son­dern bald viel­leicht wesent­lich emo­tio­na­ler als uns lieb ist. Frank­furt, Opern­platz.

Schu­le wird auch nicht zurück­fal­len in alte Struk­tu­ren – zumin­dest bis zur Ent­wick­lung eines wirk­sa­men Impf­stoffs. Es wird wie­der und wie­der zumin­dest loka­le Impacts geben. Es ist nicht sicher, ob ich mei­ne Klas­sen­ar­beit schrei­ben kann. Die­ser Unsi­cher­heit kann man mit agi­lem Han­deln und Den­ken natür­lich begeg­nen, aber nicht ohne vor­he­ri­ge per­so­na­le Ent­wick­lungs­pro­zes­se. Schu­le an sich ist dafür nicht gebaut. Zudem ist das für Lehr­kräf­te noch­mal deut­lich leich­ter als für Schul­lei­tun­gen, die deut­lich mehr sys­te­mi­sche „Gegen­über“ haben (Eltern, Schul­be­hör­de, Lokal­po­li­tik, Gesund­heits­amt, Lehr­kräf­te, Schüler:innen, Gre­mi­en).

Ich grüb­le daher an Fort­bil­dun­gen mit ande­ren Inhal­ten her­um. FoBis zu alter­na­ti­ve Auf­ga­ben­for­ma­ten lau­fen mir regel­mä­ßig voll. Ich habe nie eine Fort­bil­dung 2x gege­ben – das war mir immer zu lang­wei­lig. Das wer­de ich ver­än­dern müs­sen.

Es wird m.E. drin­gend Fort­bil­dun­gen zum The­ma Bewer­tung und Beno­tung beim Distanz­ler­nen geben müs­sen. Nicht, weil das inhalt­lich so erstre­bens­wert ist, son­dern um viel­leicht auch läh­men­de Ängs­te bei man­chen Lehr­kräf­ten zu mil­dern. Angst ist das, was wir zur­zeit am wenigs­ten brau­chen kön­nen.

Ich mer­ke, dass ich den Fokus von Bera­tung mehr und mehr weg hin zu: „Ihr macht das am bes­ten jetzt so und so aus den und den Grün­den!“ ver­schie­be. Die Zeit des krea­ti­ven Ent­wi­ckelns kann wie­der in der Zeit der stei­gen­den Sicher­heit kom­men. Es gibt Kolleg:innen, die sowas hier weder hören noch lesen wol­len und auch durch­aus öffent­lich sehr sau­er reagie­ren.

Für Nie­der­sach­sen wird der August ein Schei­de­punkt. Nord­rhein-West­fa­len und Hes­sen „erpro­ben“ für uns, wie das mit dem Kohor­ten­sys­tem funk­tio­niert. Zumin­dest ist klar, dass wir in der letz­ten Feri­en­wo­che deut­lich mehr wis­sen wer­den als zu Beginn der Kri­se.

Sor­gen machen mir die gesell­schaft­li­chen Lang­zeit­aus­wir­kun­gen der Kri­se. Wirt­schaft­lich und Psy­cho­lo­gisch. In unser aller Umfeld wird es Betrof­fe­ne geben.

 

 

 

Denn wir wissen eigentlich nicht, was wir tun …

Wenn ich Webi­na­re mache, redet meist nur eine Per­son. Alle ande­ren schwei­gen oder tip­pen maxi­mal. Webi­na­re als For­mat sind metho­disch für mich ähn­lich metho­den­arm wir der momen­ta­ne Prä­senz­un­ter­richt. Ich weiß eigent­lich nichts dar­über, wie mei­ne kru­den Ideen ankom­men oder ob die­se Ver­an­stal­tun­gen für irgend­wen dar­in einen Wert haben. Es ist ein Blind­flug, weil ich eine Sache nicht mache, die gera­de jetzt in der Kri­se wahr­schein­lich immens wich­tig ist – für mich und mein Han­deln und dafür, pas­sen­de Ange­bo­te zu ent­wi­ckeln: Die Eva­lua­ti­on.

Als Lei­tung bist du im Auge des Hur­ri­cans – alles dreht sich um dich, aber nur die dicks­ten Bro­cken fal­len dir vor die Füße. Von der Mas­se bekommst du nichts mit!“

Das ist eine Aus­sa­ge, die auf meh­re­ren mei­nen dama­li­gen Jugend­lei­t­er­schu­lung gefal­len ist – ich behaup­te: Ich als Fort­bild­ner und Schul­lei­tun­gen han­deln momen­tan pri­mär auf der Basis von Infor­ma­tio­nen, die von extro­ver­tier­ten Men­schen bekom­men. Auch exter­ne Stim­mungs­la­gen auf z.B. Social­me­dia bil­den nur die Rea­li­tät der Lau­ten ab.

Auf­lö­sen kann ich das nur durch Eva­lua­ti­on, weil die­se mir Infor­ma­tio­nen in einer Brei­te lie­fert, die nicht nur die Lau­ten ein­schließt. Des­we­gen gehört Eva­lua­ti­on – mög­lichst nied­rig­schwel­lig – viel­leicht zu den aller­wich­tigs­ten Din­gen, die man heu­te machen muss. Die Fra­gen soll­ten dabei nicht „wis­sen­schaft­lich belast­bar“ sein. Es soll­ten mei­ne Fra­gen sein, die ich brau­che, um Ideen für mein wei­te­res Han­deln zu bekom­men. Das kann ich auch der Grup­pe gegen­über so trans­pa­rent machen. Momen­tan wären mit qua­li­ta­ti­ve Eva­lua­ti­on­s­items viel wich­ti­ger als quan­ti­ta­ti­ve.

Wenn ich Schulleitung wäre – was würde ich wissen wollen?

Von Eltern:

  1. Was macht Ihnen zur­zeit am meis­ten Sor­gen in Bezug auf die Bil­dung Ihrer Kin­der?
  2. Wie bewer­ten Sie ins­ge­samt die Betreu­ung durch die Lehr­kräf­te?
  3. Was brau­chen Sie von uns, um mit der momen­ta­nen Situa­ti­on bes­ser zurecht­zu­kom­men?
  4. Was brau­chen Ihrer Mei­nung nach Ihre Kin­der von uns, um mit der momen­ta­nen Situa­ti­on bes­ser zurecht­zu­kom­men?
  5. Was möch­ten Sie uns noch mit­tei­len?

Von Schüler:innen:

  1. Was macht dir zur­zeit am meis­ten Sor­gen, wenn du an Schu­le denkst?
  2. Wie bewer­test du ins­ge­samt die Betreu­ung durch dei­ne Lehr­kräf­te?
  3. Nen­ne uns ein Bei­spiel für eine Lehr­kraft, die Ihren Job gera­de dei­ner Ansicht nach sehr gut macht. Beschrei­be uns kurz, was sie genau macht!
  4. Was brauchst du von uns, damit du mit der momen­ta­nen Situa­ti­on bes­ser zurecht­kommst?
  5. Was möch­test du uns noch mit­tei­len?

Von Lehrer:innen:

  1. Was berei­tet Ihnen zur­zeit die meis­ten Sor­gen in Bezug auf die Bil­dung Ihrer Schüler:innen?
  2. Wie kom­men Sie mit der momen­ta­nen Unter­richts­si­tua­ti­on zurecht?
  3. Beschrei­ben Sie uns kurz eine Metho­de, die für Sie und Ihre Schüler:innen nach Ihrer Mei­nung zur­zeit gut funk­tio­niert.
  4. Was brau­chen Sie von uns als Schul­lei­tung zur­zeit am not­wen­digs­ten?
  5. Was möch­ten Sie uns noch mit­tei­len?
Der erhoffte Effekt

Durch Eva­lua­ti­on kom­men Men­schen vor, die i.d.R. nicht laut sind, z.B. die Gewis­sen­haf­ten. Schüler:innen als Schu­le nach Ihrer Mei­nung zu fra­gen, ist auch ein sozia­les Zei­chen: Ich neh­me dich / euch ernst!

Medi­al kom­men Schüler:innen zur­zeit näm­lich gar nicht vor: Sie sind vor­wie­gend Objek­te von Ent­schei­dun­gen ande­rer – weni­ger Sub­jek­te. Wenn Tei­le der gewon­ne­nen Erkennt­nis­se dann tat­säch­lich in die wei­te­re Orga­ni­sa­ti­on des Schul­all­tags ein­flie­ßen, lässt sich der Effekt der „Ernst­ge­nom­men­wer­dens“ noch stei­gern – igno­riert man das, ver­spielt man Ver­trau­en. Daher ist es wich­tig, von vorn­her­ein Res­sour­cen für die Umset­zung der Ein­ga­ben bereit­zu­stel­len – sonst wird man mehr ver­lie­ren als man gewin­nen kann.

Eine sol­che qua­li­ta­ti­ve Eva­lua­ti­on kann zudem Din­ge sicht­bar machen, die im Kon­zert der Lau­ten unter­ge­hen. Dabei fällt so man­cher Gold­ring ins Auge des Hur­ri­cans.

(Ich glau­be, das bie­te ich den Schu­len mal an. Tech­nisch umset­zen und auto­ma­ti­siert aus­wer­ten ist für mich nicht so ein gro­ßes Pro­blem.)

 

These: Im Fernunterricht wird viel sichtbar, was im Alltag eher verborgen ist

Es gibt Kolleg*innen, die mit viel Witz und Krea­ti­vi­tät von Schüler*innen aus den­ken und in der schul­frei­en Zeit für Eltern und Schüler*innen in beson­de­rer Wei­se sicht­bar sind. Es gibt Schu­len, die alles dar­an set­zen, dass durch Struk­tu­ren im Rah­men des Mög­li­chen wenigs­tens gewähr­leis­tet ist, dass Eltern sich nicht auch noch mit der Kor­rek­tur von gestell­ten Auf­ga­ben befas­sen müs­sen und die Auf­ga­ben auch phy­sisch für die­je­ni­gen zugäng­lich machen, die zu Hau­se nicht über die not­wen­di­ge Aus­stat­tung ver­fü­gen (Dru­cker, PC, Lap­top). Im ein­fachs­ten Fall sind das nach Schul­klas­sen geord­ne­te lee­re Dru­cker­pa­pier­kar­tons, in denen Arbeits­ma­te­ri­al aus­ge­druckt vor oder in gro­ßen Räu­men inner­halb der Schu­le aus­liegt.

Das löst nicht das Pro­blem, wie das Mate­ri­al schließ­lich zu den Schüler*innen nach Hau­se kommt. Ins­be­son­de­re bei wei­ter­füh­ren­den Schu­len in der Flä­che (Gym­na­si­en, BBSen) ist das ein schier unlös­ba­res Pro­blem. Grund­schu­len und Ober-/Re­al-/Haupt­schu­len sind meist wohn­ort­nah mit dem Fahr­rad erreich­bar (Und selbst das ist hier im Land­kreis Clop­pen­burg manch­mal ein anstän­di­ges Stück). Da bräuch­te man eigent­lich noch „Base­camps“ in den weit außer­halb lie­gen­den Dör­fern.

Das löst auch nicht das Pro­blem, dass Kolleg*innen oft nicht beson­ders gut aus­ge­stat­tet sind. Aller­dings soll­te Zugriff auf das Inter­net, Tele­fon und einen Rech­ner hier meist gege­ben sein. Eini­ge Land­kreis­schu­len haben hier sogar Dienst-iPads für die Kolleg*innen erhal­ten. Gleich­wohl mag es an Fort­bil­dung dazu feh­len – inwie­weit ist aber gera­de jetzt erwart­bar, dass man sich mit der Mate­rie beschäf­tigt? Ich weiß es nicht …

Gele­gent­lich kommt es vor, dass beson­ders enga­gier­te Kolleg*innen jetzt Pro­ble­me bekom­men. Sie wür­den „Stan­dards“ set­zen, die für ande­re uner­füll­bar sind. Und es gibt dem­entspre­chend dann Gegen­wind von unter­schied­li­chen Sei­ten.

Ich glau­be nicht, dass die­se Pro­ble­me jetzt auf­tre­ten – sie wer­den jetzt nur ganz beson­ders deut­lich. Kin­der erzäh­len im All­tag wenig. Im „Fern­un­ter­richt“ sind Eltern ziem­lich unmit­tel­bar mit Kolleg*innen in Inter­ak­ti­on – oder eben auch gera­de nicht.

Ich bin bewusst nicht in der Posi­ti­on einer Schul­lei­tung. Ich den­ke, dass enga­gier­te Kolleg*innen gera­de jetzt ganz beson­ders wich­tig für Schüler*innen sind. Sie ver­die­nen m.E. Aner­ken­nung und beson­de­ren Schutz.

Die Lösung kann für mich eigent­lich nur sein, sich Arbeit soli­da­risch in Fach­teams zu tei­len. Der/die eine ist her­vor­ra­gend im Erstel­len digi­ta­ler Lern­pfa­de. Die/der ande­re hat eine hohe Kom­pe­tenz beim Kor­ri­gie­ren von Tex­ten. Wenn Stär­ken ein­zel­ner koor­di­niert zusam­men­kom­men, soll­te Ler­nen auch inner­halb eines Kol­le­gi­ums mög­lich sein. Viel­leicht bleibt ja davon sogar etwas Brauch­ba­res übrig für den All­tag nach Coro­na?

Das zu orga­ni­sie­ren kann in gro­ßen Schu­len nicht die Schul­lei­tung allei­ne stem­men. Ins­be­son­de­re Fachob­leu­te und Team­lei­tun­gen wer­den in gro­ßen Sys­te­men dabei eine Rol­le spie­len müs­sen sowie jeder ein­zel­ne mit größt­mög­li­cher Offen­heit – aber kön­nen Fachob­leu­te Men­schen und Kolleg*innen in ihren Arbeits­ab­läu­fen wirk­lich struk­tu­rie­ren? Woher hät­ten sie das ler­nen sol­len?

Schul­lei­tung ist aber für mich ganz zen­tral, die sie allein die Struk­tu­ren für sol­che Arbeits­ab­läu­fe schaf­fen kann. Die Art der bis­he­ri­gen(!) Per­so­nal­füh­rung ent­schei­det wahr­schein­lich dar­über, was mög­lich sein wird und was nicht.

Virtual Choir in Cloppenburg

Vor eini­ger Zeit habe ich bei Eric Whit­a­c­re und sei­nen „Vir­tu­al Choir“ mit­ge­macht. Es gibt jetzt eine „light Ver­si­on“ mit mei­nem Chor hier in Clop­pen­burg.

Akti­vie­ren Sie Java­Script um das Video zu sehen.
https://youtu.be/GCnk8Syyuew

Hübsch hat das der Niko Bäu­mer, unser Chor­lei­ter hin­be­kom­men – fin­de ich. Ich bemü­he den Vir­tu­al Choir als „Pro­jekt­idee“ in mei­nen Vor­trä­gen oft.

Akti­vie­ren Sie Java­Script um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=D7o7BrlbaDs

Man muss eine gan­ze Men­ge kön­nen, um an so etwas teil­zu­neh­men. Chor­mu­sik hat nichts mit Basis­de­mo­kra­tie zu tun, son­dern eher mit der Klang­vor­stel­lung eines Diri­gen­ten. Und man lässt sich trotz­dem ger­ne auf sowas ein – trotz der feh­len­den Selbst­be­stim­mung.

Nachdenkliches zu Schulschließungen und allgemein

Als medi­en­päd­ago­gi­scher Bera­ter mit mei­nen Fähig­kei­ten bin ich gera­de in vie­le Pro­zes­se ein­ge­bun­den – eben gera­de habe ich sogar län­der­über­grei­fend bera­ten. Es gibt über­all glei­che Pro­ble­me – Poli­tik möch­te ver­kün­den und Lösun­gen für alle Schu­len schaf­fen und ist es gewohnt, dass man gegen Her­aus­for­de­run­gen nur genug Geld schmei­ßen muss und dann ist es gelöst.

Video­kon­fe­renz­lö­sun­gen – lan­des­weit

Das ist gera­de ein unglaub­lich gro­ßes The­ma, auf Twit­ter, in den Medi­en – über­all. Und der Druck ist groß. Er wird grö­ßer, wenn klar wer­den soll­te, dass es nach Ostern nicht mit der Schu­le wei­ter­ge­hen kann. Video­kon­fe­renz­lö­sun­gen sind mei­ner Mei­nung nach das, was Fron­tal­un­ter­richt am nächs­ten kommt. Man kann sie auch anders nut­zen, wie z.B. die groß­ar­ti­ge Maria Kru­se:

https://köpfchenkunde.de

Das was ich hier vor Ort machen und anbie­ten kann, ist ein Witz. Das lan­des­wei­te Aus­spie­len einer Bil­dungs­cloud oder eines Lern­ma­nage­ment­sys­tems ist Regio­nal­klas­se (und selbst da: Sup­por­tet sowas mal lan­des­weit …) gegen die tech­ni­schen Anfor­de­run­gen beim Aus­spie­len einer Video­kon­fe­renz­lö­sung für ein gan­zes Bun­des­land. Selbst Teams hat­te immense Pro­ble­me, Goog­le und M$ lau­fen die Clouds voll – nicht wegen der Schu­len.

Man kann jetzt auch nicht zu einem Dienst­leis­ter gehen und sagen: „Ent­wi­ckelt mal eine Clust­er­lö­sung dafür!“ – die Dienst­leis­ter dürf­ten bis oben hin voll mit Auf­trä­gen sein und die Mit­ar­bei­ten­den sind alle im Home­of­fice. Big­Blue­But­ton gibt einen Band­brei­ten­be­darf von 250 Mbit/s für 150(!) par­al­le­le Video­streams an. Ser­ver kann man mit einer Anbin­dung von 1Gbit/s mie­ten. Wenn man mehr will, geht die Misch­kal­ku­la­ti­on des Anbie­ters nicht auf und es wird teu­er. Big­Blue­But­ton wird in die nie­der­säch­si­sche Bil­dungs­cloud inte­griert sein und es gibt auch ein Ska­lie­rungs­sze­na­rio. Ich war erstaunt, dass sich dabei mei­ne Idee mit der eines pro­fes­sio­nel­len Anbie­ters deck­te.

Es wird aber mit dau­ern­der Län­ge der Schul­schlie­ßung kein Weg dar­an vor­bei­füh­ren, Unter­richt und Ler­nen asyn­chron zu den­ken und anzu­le­gen, d.h. zu den gan­zen Schwie­rig­kei­ten, die vie­le Lehr­kräf­te mit Tools haben, kom­men jetzt auch noch not­wen­di­ge struk­tu­rel­le Ver­än­de­run­gen dazu. Nicht allei­ne, weil Grals­hü­ter das schon lan­ge for­dern, son­dern ganz schnö­de wegen der tech­ni­schen Schwie­rig­kei­ten. Es ist schön, dass alles mit Jit­si und Zoom auf indi­vi­du­el­ler Ebe­ne so toll klappt. Aber wir ste­hen am Anfang einer Kri­se. Und mal ehr­lich: Mit mehr als 5–7 Leu­te par­al­lel in einer Video­kon­fe­renz?

Das Pro­blem Video­kon­fe­renz­lö­sung für Schu­len, daten­schutz­kon­form und lan­des­weit ist ein typi­sches, gegen das man nicht ein­fach Geld wer­fen kann. Lamen­tie­ren über Ver­säum­nis­se der Ver­gan­gen­heit taugt gut für die Empör­ten, in der aktu­el­len Lage sehe ich dar­in kei­nen Gewinn.

Behind the Sce­nes

Ich habe die­se Woche Video­kon­fe­ren­zen, Tele­fon­ge­sprä­che, E‑Mailkontakte mit dem Kul­tus­mi­nis­te­ri­um, dem Lan­des­in­sti­tut und mir for­mal ganz klei­nem Licht gese­hen. Auf Augen­hö­he, part­ner­schaft­lich, nichts mit Dienst­we­gen, lösungs­ori­en­tiert, ehr­lich, kon­struk­tiv, der Sache zuge­tan. Ich weiß nicht, ob das über­all so ist. Ich bin fast schon gerührt, weil das im Nor­mal­be­trieb so sel­ten sicht­bar wird. Ich bin mir sicher, dass wir für eini­ge Bun­des­län­der bald Lösun­gen sehen wer­den. Die wer­den nicht so toll wie Teams sein. Sie wer­den nicht so vie­le Fea­tures bie­ten wie Mood­le oder its­lear­ning. Aber für 80%-90% des­sen, was vie­le Lehr­kräf­te jetzt und heu­te „digi­tal“ abbil­den und umset­zen kön­nen, wird es mei­ner Mei­nung nach erst­mal rei­chen. Ein Anfang, der nur „falsch“ ist, wenn das Ziel nicht stimmt. Jetzt ist m.E. die Stun­de der Wege, nicht der Zie­le, die die Grals­hü­ter pro­mo­ten. Und auch auf die­sem nied­ri­gen Niveau wer­den Kolleg*innen zurück­blei­ben. Wie wer­den wir denen gerecht? Guter Unter­richt ist kei­ne Fra­ge von Gerä­te­ein­satz und Tech­ni­sie­rung, son­dern eine von Hal­tung. Von Men­schen mit der ent­spre­chen­den Hal­tung kann jeder digi­ta­le Flip­pie viel ler­nen.

Und sonst so?

Alle im Home­of­fice. Auch ich meis­tens. Ich sit­ze sonst ziem­lich allei­ne im Medi­en­zen­trum – zumin­dest einen hal­ben Tag in einem Ein­zel­bü­ro mit Hand­des­in­fek­ti­ons­spen­der und guter Belüf­tung. Vie­le Ein­zel­be­ra­tun­gen von enga­gier­ten Kolleg*innen aus der Regi­on per Tele­fon, Video­kon­fe­renz, E‑Mail. Die Schu­len gehen in den Feri­en­mo­dus – müs­sen aber auch in der Feri­en­zeit die Kin­der­not­be­treu­ung gewähr­leis­ten. In den letz­ten sechs Tagen bin ich ins­ge­samt 33km (3x11) gelau­fen. Eige­ne Kin­der ohne Sport­mög­lich­keit pro­fi­tie­ren davon, aber es ist auch echt anstren­gend – tut aber dem Stress­hor­mon­le­vel sehr gut. Und ges­tern konn­ten wir einen 20er-Pack Klo­pa­pier ergat­tern. Der Land­kreis Clop­pen­burg steht coro­na­mä­ßig sehr gut da. Viel­leicht flie­gen hier aber bald die Helis von Bre­men und Vech­ta zum Kran­ken­haus.

Bera­tun­gen zum Digi­tal­pakt und mein Dau­er­bren­ner „Buch­pro­jekt“ sind ja net­te Ideen. Momen­tan lei­der nur „nett“. Will kei­ner. Gebraucht wird eh ande­res.

Wäre ich Schul­lei­ter, wür­de ich jetzt an die schul­in­ter­nen Arbeits­plä­ne gehen, trans­pa­rent machen, wel­che Schät­ze Kolleg*innen in ihren Schub­la­den lie­gen haben – und Medi­en­bil­dung dabei mit­den­ken. Was gemacht wird, ist im Land­kreis sehr unter­schied­lich: Genau das oder sehr for­dern­de von Schul­lei­tung gesteu­er­te Auf­ga­ben­kul­tur (mit Kor­rek­tur durch Lehr­kräf­te) bis hin zu „Ich dürft ger­ne, wenn es nicht mit den Aus­sa­gen des MK kol­li­diert …“. Da kom­men teil­wei­se wun­der­vol­le Din­ge bei her­aus.

Schön von der Idee her fin­de ich auch ein neu­es Por­tal des NiBiS:

https://lernenzuhause.nibis.de

Hier fin­det man durch­ku­ra­tiert und redak­tio­nell betreut das, was durch die sozia­len Medi­en geht. Schön wären jetzt noch Lern­pfa­de, die Schüler*innen und Eltern hel­fen, wirk­lich sinn­voll mit die­sen Ange­bo­ten und Werk­zeu­ge zu arbei­ten. Aber da scheint es schon Ideen zu geben …

Ins­ge­samt bin ich hin- und her­ge­ris­sen. Es läuft vie­les „behind the sce­nes“. Irgend­je­mand gebrauch­te in Zusam­men­hang mit mei­ner Per­son in einem anders gemein­ten Kon­text den Begriff der „Hid­den Figu­re“. Ich tue mich schwer damit. Ich kann momen­tan nicht so trans­pa­rent sein, wie es mei­nem Anspruch ent­spricht – dazu ist vie­les noch zu fra­gil und das Bera­tungs­ge­heim­nis ist dann m.E. auch durch­aus sinn­voll. Ich habe daher für mich ent­schie­den, dass Trans­pa­renz eigent­lich auch ande­re kön­nen.

So. Ich muss dann mal Erklär­vi­de­os dre­hen … Viel­leicht auch bald zur Bil­dungs­cloud!

1 2