Reaktionsmechanismen: Pfeile und Halbpfeile

Manch­mal stol­pe­re ich über Sach­ver­hal­te, die so ein­leuch­tend und sim­pel sind, dass ich mich fra­ge, war­um sie nicht zum Stan­dard­re­per­toire eines jeden Che­mie­lehr­bu­ches für die Schu­le gehö­ren. Ich bin heu­te zum ers­ten Mal auf Halb­pfei­le zur Kenn­zeich­nung einer homo­ly­ti­schen Spal­tung eines Elek­tro­nen­paa­res in Zusam­men­hang mit der radi­ka­li­schen Sub­sti­tu­ti­on an Alka­nen gestoßen:

Hal­ber Pfeil, ein Pfeil­spit­zen­ha­ken = Ver­la­ge­rung eines Elek­trons. Die Voll­pfei­le, zwei Pfeil­spit­zen­ha­ken = Ver­la­ge­rung eines Elek­tro­nen­paars ken­nen wir aus den „Buch­me­cha­nis­men“ hin­ge­gen zur Genüge:

Nach­schau­en kann man das in die­sem Video:

Weil ich es nicht glau­ben woll­te, habe ich wei­ter­ge­sucht und das hier ent­deckt. Es scheint etwas dran zu sein. Und war­um steht es nicht in mei­nen Unter­richts­wer­ken? Die radi­ka­li­sche Sub­sti­tu­ti­on lässt sich so viel ein­fa­cher mecha­nis­tisch erklä­ren. Hat jemand ein aktu­el­les Orga­ni­kum zur Hand? Tja – vie­le Ver­la­ge sind in Sachen inhalt­li­cher Qua­li­tät dem Inter­net nach eige­nen Beteue­run­gen weit über­le­gen. Nunja.

Seminarfach – ein Projekt

Vor­ges­tern Abend war es so weit. „Mein“ Semi­nar­fach prä­sen­tier­te Gedan­ken rund um ihr Erle­ben von Schu­le und rund um ihre Gedan­ken zur Zukunft von Ler­nen und Bil­dung. Eines vor­weg: Kon­kre­te Aus­schnit­te und Pro­duk­te die­ses Abends wer­den hier erst zu sehen sein, wenn wir uns als Grup­pe dar­über ver­stän­digt haben, was wir in wel­cher Form öffent­lich zei­gen wol­len – hier­zu sind auch Drit­te zu befra­gen, die z.B. gefilmt wor­den sind.

Hier gibt es die Geschich­te des Pro­jek­tes zu lesen, eine Geschich­te, deren Autor anfangs ich, zum Ende hin jedoch mehr und mehr die Schü­le­rin­nen waren. In der Rück­schau wird mir immer kla­rer und kla­rer, dass die­ser Abend bei­lei­be kein Spie­gel mei­nes Unter­richts gewe­sen ist, son­dern weit mehr. Ich möch­te es indi­vi­dua­li­sier­te Trans­for­ma­ti­on von Inhal­ten, Kon­zep­ten nen­nen, oder – um mit einem Begriff von Jean-Pol Mar­tin zu spre­chen –  um kom­pri­mier­te, zeit­na­he Emer­genz, wie sie einem Leh­rer ganz sel­ten oder eben erst sehr viel spä­ter wider­fährt. Die Geschich­te ist für mich auch ein Beleg für Mechanismen,wie sie in Schu­le nun­mal wir­ken und man sie aus­hal­ten ler­nen kön­nen muss. Wei­ter­le­sen soll­te nur, wer Geschich­ten mag. Alle ande­ren kön­nen direkt an das Ende des Arti­kels (4. Semes­ter), zu dem eigent­li­chen Pro­jekt springen.

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Ich bin ein Digital Emmigrant

Das muss ich in letz­ter Zeit immer wie­der und wie­der ler­nen, weil ich so wenig ver­ste­he, was da im Netz eigent­lich vor­geht. Ich bin ein Digi­tal Emmi­grant, weil ich offen­bar eine Fähig­keit nicht besit­ze (und auch nicht besit­zen will): Die des Ver­ler­nens. Kath­rin Pas­sig schreibt zu schön am Ende ihrer viel­be­ach­te­ten Kolum­ne:

Wer dar­auf besteht, zeit­le­bens an der in jun­gen Jah­ren gebil­de­ten Vor­stel­lung von der Welt fest­zu­hal­ten, ent­wi­ckelt das geis­ti­ge Äqui­va­lent zu einer Drü­ber­käm­mer-Fri­sur: Was für einen selbst noch fast genau wie frü­her aus­sieht, sind für die Umste­hen­den drei über die Glat­ze geleg­te Haa­re. So lan­ge wir uns nicht wie im Film Men in Black blitz­dingsen las­sen kön­nen, müs­sen wir uns immer wie­der der müh­sa­men Auf­ga­be des Ver­ler­nens stel­len. Mit etwas Glück hat der Staat ein Ein­se­hen und bie­tet in Zukunft Erwach­se­nen­bil­dungs­maß­nah­men an, in denen man hin­der­lich gewor­de­nes Wis­sen – sagen wir: über Biblio­the­ken, Schreib­ma­schi­nen, Ver­la­ge oder das Fern­se­hen – able­gen kann.

Ver­ler­nen sol­len wir – hin­der­li­ches Wis­sen – über Biblio­the­ken und so. Und wir sol­len es ler­nen zu ver­ler­nen. Der Staat soll För­der­pro­gram­me zum Ver­ler­nen des Erlern­ten anbie­ten. Macht er ja schon – heißt manch­mal Schu­le. Gera­de beim letz­ten Satz Pas­sigs könn­te ich schrei­end aus dem Klas­sen­zim­mer laufen.

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Abi in NDS: Deutsche Sprache der Gegenwart

Mit die­sem the­ma­ti­schen Schwer­punkt haben wir seit lan­gem wie­der ein­mal ein ger­ma­nis­ti­sches The­ma auf dem Zet­tel ste­hen. Das fin­de ich eigent­lich gar nicht so schlecht. Mich nervt dar­an zur Zeit eigent­lich nur das Wort „Gegen­wart“. Ich glau­be, dass man nicht so ein­fach sagen kann: „Och, schau­en wir uns ein­mal Varie­tä­ten (z.B. inne­re Mehr­spra­chig­keit) oder die Rol­le der deut­schen Spra­che im euro­päi­schen Kon­text an“ (genau auf die­sem Level macht der vor­ge­se­he­ne the­ma­ti­sche Schwer­punkt Schluss) ohne dabei zumin­dest in Grund­zü­gen auf Prin­zi­pi­en der Sprach­ge­schich­te und Pho­ne­tik ein­zu­ge­hen. Das Ers­te­re ohne das Letz­te­re passt natür­lich treff­lich in die Kom­pe­tenz­schie­ne, frag­lich bleibt jedoch für mich dann der eben­so wich­ti­ge wis­sen­schaft­pro­pä­deu­ti­sche Anspruch der gym­na­sia­len Oberstufe.

Klar kann man treff­lich über Dia­lek­te oder Grup­pen­spra­che „reden“, schlaue Sach­tex­te dazu lesen von Leu­ten, die die­ses oder jenes Sprach­emp­fin­den haben. Das ist in mei­nen Augen aber ein „Drü­ber-Spre­chen“, mit dem man allen­falls argu­men­ta­ti­ves Schrei­ben und den Umgang mit Sach­tex­ten übt – eben Kom­pe­ten­zen, die aber auch mit jedem ande­ren belie­bi­gen Inhalt zu errei­chen sind. Aber wäre es nicht net­ter – und mei­ner Mei­nung nach auch moti­vie­ren­der – wenn man neben­bei auch noch lernt, war­um es eigent­lich z.B. Dia­lek­te gibt, war­um wir Islän­disch sogar ein wenig lesen kön­nen, z.B. bei Pol­nisch aber pas­sen müs­sen? Bei der Her­aus­bil­dung der Dia­lek­te sind schließ­lich ähn­li­che Mecha­nis­men am Wer­ke gewe­sen, wie sie bei der heu­ti­gen Aus­dif­fe­ren­zie­rung in den Jar­gons­spra­chen immer noch wirk­sam sind. Auch die Par­al­le­len von „open“ (engl.) und „offen“ (dt.) bedür­fen nur einen Hauch Sprach­ge­schich­te zur Erklärung.

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Kleinweich Fenster

Ich habe für mich ein Note­book mit „Klein­weich Fens­ter Erleb­nis Pro­fes­sio­nell“ erwor­ben. Dar­auf soll Lern­soft­ware lau­fen – betriebs­sys­tem­un­ab­hän­gig pro­du­ziert ja kaum ein Ver­lag. Es ist ein gutes gebrauch­tes Busi­ness-Note­book mit einem Pen­ti­um 4 mobi­le (2Ghz)  und 512MB RAM. Ich bin der Mei­nung, dass jedes Betriebs­sys­tem sei­ne Berech­ti­gung, sei­ne Vor­zü­ge und sei­nen Platz hat. Ich weiß aber jetzt, dass die­ses Betriebs­sys­tem nicht zu mir passt.

Eigent­lich woll­te ich an die­sem Abend nur mal eben aus­pro­bie­ren, ob Open­Of­fice die unter Ubun­tu Intrepid erstell­te Prä­sen­ta­ti­on mit Vide­os und ein­ge­bet­te­ten Objek­ten auch unter Win­dows frisst. Dazu kam es nicht.

Erst­mal habe ich das Note­book ein­ge­schal­tet. Nach 30s (nun gut, es ist nicht das neus­te Modell) konn­te ich mich anmel­den. Der Sys­tem­klang erscholl, die Arbeits­flä­che bau­te sich auf. Schön. Ooops – Fest­plat­ten­ge­rat­ter. Ach­ja – der Viren­scan­ner. Oh – Win­dows­up­dates auch noch dazu. 10 Minu­ten spä­ter ver­stumm­te die Fest­plat­te. Oh – ein Neu­start ist erfor­der­lich. Wäh­rend des Her­un­ter­fah­rens wer­den noch­mals Updates instal­liert. 5 Minu­ten Fest­plat­ten­ge­rat­ter. 30s – Anmel­dung. Fünf Minu­ten rat­tert die Fest­plat­te nach dem Auf­bau der Arbeits­flä­che. Nach mehr als 30 Minu­ten war das Gerät dann betriebs­be­reit. Nach dem Anblick diver­ser Sprech­bla­sen, die mir z.B. mit­tei­len woll­ten, dass ein USB-Gerät doch eine höhe­re Geschwin­dig­keit errei­chen kön­ne, oder das der Viren­scan­ner nicht mehr aktu­ell sei – obwohl der gera­de geup­datet wor­den war, ent­fuh­ren mir meh­re­re unschö­ne Lexe­me. Ok, das Gerät war zwei Wochen nicht benutzt wor­den, d.h. bei täg­li­chem Gebrauch wäre es wahr­schein­lich inner­halb von fünf Minu­ten betriebsbereit.

Down­load von Ubun­tu Jaun­ty (Dank Kabel­in­ter­net war das ISO in 10 Minu­ten gezo­gen und gebrannt – mit einem Ubun­tu LTS). Par­al­lel­in­stal­la­ti­on auf dem Note­book – 30 Minu­ten inkl. Updates aus den APT-Sources. Reboot. Note­book nach dem Reboot nach 40s voll ein­satz­be­reit. Es weist mich durch dezen­te Sym­bo­le dar­auf hin, dass es gut wäre, wenn ich aktua­li­sie­re. Kei­ne Sprech­bla­sen. Unnö­tig zu sagen, dass die Prä­sen­ta­ti­on auf Anhieb lief. Ach ja: Open­Of­fice war dann schon installiert.

Wenn ande­re Men­schen so arbei­ten kön­nen – bit­te. Ich kann es nicht. „Klein­weich Fens­ter  Erleb­nis  Zuhau­se“ läuft hier wie­der in einer vir­tu­el­len Maschi­ne neben­bei – z.B. für den Video­schnitt. Mit dem Haupt­sys­tem kann ich dann ganz nor­mal wei­terarbei­ten.

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