Free Hugs – kostenlose Umarmungen

Jaja, die­se „Onliner“ sind schon eine Bedro­hung. Ein­mal etwas Net­tes mit schön umge­setz­ter fil­mi­scher Geschich­te von you­tube ganz ohne geis­ti­gen Erguss mei­ner­seits dazu. Mit Dank für die Emp­feh­lung an eine Frau Unbe­kannt. Sor­ry, sie heißt wirk­lich mit Nach­na­men so…

Wer mehr über die Geschich­te des Vide­os wis­sen möch­te (Hil­fe, ich bin Leh­rer und kann nicht anders…), fin­det etwas bei Wiki­pe­dia. Ob ich ich sowas mal mit SuS bei uns in der Fuß­gän­ger­zo­ne – lie­ber nicht…

Werbende Schulbuchverlage

Ich bin ja nun schon ein Weil­chen Leh­rer. Ich habe schon nach weni­gen Jah­ren fast auf­ge­hört, Mate­ria­li­en bei Schul­buch­ver­la­gen zu bestel­len oder deren Wer­be­brie­fe zu öff­nen. Ganz schlimm war das im Refe­ren­da­ri­at, als ich fast täg­lich mit Post von diver­sen Ver­la­gen bom­bar­diert wor­den bin. Wenn ich nun­mehr etwas benö­ti­ge, gehe ich auf Raub­zug zu Mes­sen oder in die Läden der Ver­la­ge. In der Regel schnap­pe ich Ideen bei Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen auf. Trotz­dem quillt nach wie vor mein Fach über von Wer­be­brie­fen – mit dem Ein­tritt in einen Berufs­ver­band wur­de das erst rich­tig schlimm.

Den völ­li­gen Hals bekom­me ich dann, wenn ich wirk­lich aus­nahms­wei­se ein­mal etwas direkt bei einem Ver­lag bestel­len möch­te – wohl­ge­merkt zum Lis­ten­preis: Eine Bestel­lung ist ohne Anga­be von Schul­form und Fächern oft gar nicht mög­lich – das bekommt jeder Ebay-Ver­käu­fer mit Anga­be einer Ver­sand­adres­se bes­ser hin. Trotz ISBN-Num­mer sind vie­le Arti­kel über Bar­sor­ti­men­te nicht bestell­bar. „Du willst es? Kriegs­te aber nur, wenn du uns sagst, was wir zur Opti­mie­rung unse­rer Wer­be­stra­te­gie von dir wis­sen wol­len!“ Ich möch­te die  wirt­schaft­li­chen Aus­sich­ten des Bau­markts sehen, bei dem man nur noch mit haus­ei­ge­ner Kun­den­kar­te ein­kau­fen darf. Lebt Ebay nicht irgend­wie vom Spon­tan­kauf? Ich wür­de mich als Betrieb über jedes Pro­dukt freu­en, was ich abset­zen kann. Bei der Bahn reicht die Anga­be einer Kre­dit­kar­ten­num­mer. Kau­fen kann man weit­ge­hend anonym.

Ich kann die Ver­la­ge ja ver­ste­hen. Der Kon­kur­renz­kampf ist hart, die Kopier­mo­ral an den Schu­len kennt kaum noch Schran­ken und den Para­dig­men­wech­sel durch die neu­en Medi­en haben die meis­ten Anbie­ter mei­nes Erach­tens auch völ­lig ver­schla­fen (da ist mein Mit­leid jedoch gering). Wie sol­len sie denn ihre Pro­duk­te an den Mann oder die Frau brin­gen? Per Wer­be­brief – Ent­schul­di­gung – per „kun­den­ori­en­tier­ter, ser­vice­ba­sier­ter Pro­dukt­in­for­ma­ti­on“ hat das doch jahr­zehn­te­lang bes­tens funk­tio­niert. Aber die gol­de­nen Jah­re sind zwei­fels­oh­ne vor­bei, Autoren dürf­ten immer schwe­rer zu fin­den sein und sel­bi­ge brau­chen ange­sichts der Ver­gü­tungs­sät­ze und der sons­ti­gen Arbeits­be­las­tung in den Schu­len wohl auch immer mehr Idea­lis­mus für ihre neben­be­ruf­li­che Tätigkeit.

Was soll ein Ver­lag tun?

  1. Feeds anbie­ten – sinn­voll nach Spar­ten geglie­dert. Feeds las­sen sich in weni­gen Sekun­den über­flie­gen. In Feeds lässt sich sogar Wer­bung plat­zie­ren. Man kann sta­tis­tisch aus­wer­ten, wie­vie­le Men­schen den Feed abon­nie­ren. Mich wür­de ein Feed zu Spon­tan­käu­fen animieren.
  2. Prä­senz im Web2.0 zei­gen: z.B. Twit­ter nut­zen, z.B. Face­book nut­zen. Freaks ködern mit the­men­ba­sier­ten Blogs. Mit Com­mu­ni­ty­funk­tio­nen auf der Verlagshomepage.
  3. Kun­den mit dem Bedürf­nis nach Anony­mi­tät ernst neh­men. Eine Ver­sand­adres­se ist zur Abwick­lung eines Geschäf­tes doch ausreichend.
  4. Port­fo­lio bis auf weni­ge Aus­nah­men über Bar­sor­ti­men­te anbie­ten. Was ist eigent­lich schlimm dar­an, wenn SuS Leh­rer­ma­te­ria­li­en erhal­ten kön­nen? (das wer­den eh die wenigs­ten SuS tat­säch­lich umsetzen)

Ich wür­de ger­ne mehr kau­fen. Aber oft ist die Schwel­le zum Kauf der­ma­ßen hoch, dass ich mir beim Kauf­pro­zess schon den­ke: „Bekommst du das auch nicht anders hin? Muss das jetzt sein?“.

Regeln, um kein LdL zu machen

Vor­wort

In die­sem Text steht viel, was ich in der Wei­se wie es dort steht, nicht ver­stan­den wis­sen will. Wer Din­ge fin­det, die er wie­der­erkennt, darf sie für sich  behal­ten oder einer Per­son oder vie­len an einem Ort und in einer Art und Wei­se sei­ner Wahl mit­tei­len. Der Text ist stark  inspi­riert durch „Fünf Regeln, Lie­be zu ver­hin­dern“ von Clau­de Stei­ner, qua­si ein Paralleltext.

1. Regel: Zei­ge nicht, dass du dei­ne SuS magst

Sei spar­sam mit Aner­ken­nung und Lob ihnen gegen­über. Behal­te unbe­dingt für dich, wenn du dich über ein Lern­grup­pen­mit­glied sehr freust. Zei­ge in dei­nem Ver­hal­ten eher das Gegen­teil, damit nie­mand – die betref­fen­de Per­son ein­ge­schlos­sen – merkt, dass du sie ger­ne hast. Per­sön­li­che Bezie­hun­gen trü­ben die Objek­ti­vi­tät und scha­den der Autorität.

2. Regel: Traue SuS nichts zu

Du bist der Leh­rer, du hast stu­diert. Alle dei­ne metho­di­schen und fach­li­chen Fähig­kei­ten hast du im Stu­di­um oder in der Schul­zeit erlernt. Das Leben und die Erfah­rung außer­halb der Schu­le prä­gen nicht.  Schu­lisch rele­vant ist nur die Schu­le. SuS kön­nen z.B. Inhal­te nicht struk­tu­rie­ren, SuS wir­ken nicht auf die Klas­se. SuS sind unfer­ti­ge Men­schen und in ihrer Indi­vi­dua­li­tät kei­ne Berei­che­rung für dein Leben und dei­nen Unterricht.

3. Regel: Freue dich nicht über eine gelun­ge­ne Unterrichtsstunde

Eigen­lob stinkt. Erzäh­le nie­man­dem davon. Sei nicht stolz auf dei­ne Fähig­kei­ten und Mög­lich­kei­ten. So blei­ben alle Schät­ze bei dir und dein eigen. Ler­nen kann von dir nie­mand etwas. Dafür ist dein Stil zu individuell.

4. Regel: Bit­te nicht um Hil­fe oder um Lob

Nur wenn jemand von sich aus erkennt, dass du guten Unter­richt machst, ist die­se Aner­ken­nung etwas wert. Äuße­re des­halb nie­man­dem gegen­über, dass du Bestä­ti­gung brauchst oder gelobt wer­den willst, auch wenn du es von dir aus drin­gend brauchst. Dar­aus könn­ten sich Gesprä­che ent­wi­ckeln, in denen dei­ne Schwä­chen offen­bar wer­den. Du bist Leh­rer, nicht Mensch. Gesprä­che über Schwä­chen schaf­fen Distanz, nicht Nähe.

5. Regel: Freue dich nicht über Kleinigkeiten

Wen­de dei­nen Blick auf das, was schief­ge­lau­fen ist. Den ideel­len Leh­rer­lohn gibt es sofort oder nie. Dei­ne Stun­den spie­len im spä­te­ren Lebens­lauf von SuS kei­ne Rolle.

6. Regel: Nimm kein posi­ti­ves Feed­back an

Traue nie­man­dem – auch und ins­be­son­de­re nicht SuS – der dei­nen Unter­richt lobt. Jemand, der das tut, möch­te sich grund­sätz­lich bei dir ein­schmei­cheln. Unter­richt kann nie von vor­ne bis hin­ten völ­lig gelun­gen sein.

7. Regel: Traue dei­nen ethi­schen Grund­sät­zen nicht

Alles ist rela­tiv. Jedes Ver­hal­ten ist in einem ent­spre­chen­den Kon­text denk­bar. Du musst kei­ne Wer­te und Grund­sät­ze ver­mit­teln, weil heu­te sowie­so alles im Fluss ist. Außer­dem wür­de dadurch ein Teil dei­ner selbst offen­bar, den du gera­de vor SuS immer ver­ste­cken musst.

8. Regel: Sei stets verteidigungsbereit

Alles Neue ist ein Angriff auf das Bewähr­te. Jede Kri­tik rich­tet sich direkt gegen dei­ne Per­son und gegen dei­ne bis­he­ri­ge Arbeit, nicht gegen dei­ne Rolle.

Bildungsexpedition

Lutz Ber­ger und Chris­ti­an Span­nagel haben eine neue Idee. Ich zitiere:

Abseits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de möch­ten wir uns auf die Suche nach den „stil­len Hel­den des All­tags“ bege­ben, die tag­täg­lich ihre Schü­ler und Stu­den­ten begeis­tern, die sich mit gro­ßem Enga­ge­ment ein­set­zen und die das bis­lang für sich behal­ten haben.

Wir möch­ten mit die­sen Men­schen spre­chen, sie beglei­ten und vor­stel­len, wir möch­ten ihren Unter­richt fil­men, ihre Schü­ler und Stu­den­ten inter­view­en und nach­fra­gen. Dazu suchen wir über­zeu­gen­de Lern­coa­ches, Unter­neh­men mit inno­va­ti­ven Lern­ideen und Bil­dungs­exo­ten mit außer­ge­wöhn­li­chen Projekten.

http://www.bildungsexpedition.de

Wer von euch also stil­le Blu­men kennt, die aus eurer Sicht eine Aner­ken­nung und mehr Popu­la­ri­tät ver­dient haben, kann hier Vor­schlä­ge für Rei­se­zie­le der Expe­di­ti­on machen. Es ist dabei egal, (wirk­lich!) ob ihr Schü­le­rin­nen oder Schü­ler, Eltern, Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen oder sonst­wer seid. Helft Lutz und Chris­ti­an bei ihrer – wie ich fin­de – tol­len Idee.

Eins noch:

Man­che Blu­me ist still, weil sie still sein will. Unge­ach­tet der Tat­sa­che, ob es gut ist, dass sie still ist, darf sie still sein und blei­ben, wenn sie es möch­te. Also seid so nett und fragt eure Blu­men vorher…

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