Der Kompetenzbegriff

Wis­sen kann man mit­tei­len, Weis­heit aber nicht. Man kann sie fin­den, man kann sie leben, man kann von ihr getra­gen wer­den, man kann mit ihr Wun­der tun, aber sagen und leh­ren kann man sie nicht.

Her­mann Hes­se, Siddharta

Wis­sen kann man mit­tei­len, Kom­pe­ten­zen nicht. Man kann erken­nen, dass Kom­pe­ten­zen einen per­sön­li­chen und all­ge­mei­nen Nut­zen haben, man kann sie wei­ter­ent­wi­ckeln, man kann sie adap­tie­ren von fach­li­chen, päd­ago­gi­schen oder ethi­schen  Vor­bil­dern, man kann von ihnen getra­gen wer­den und mit ihnen für sich und ande­re Wun­der tun, aber sie sich ein­pro­gram­mie­ren las­sen oder durch eine bestimm­te Art von Input auto­ma­tisch gene­rie­ren kann man sie nicht.

Maik Riecken (liest gera­de viel Fach­ar­bei­ten zu Hessetexten)

Tja. Ich moch­te den Kom­pe­tenz­be­griff noch nie, obwohl ich Kom­pe­ten­zen ansich sehr ger­ne mag. Heu­te tun wir oft ger­ne so, als sei­en Kom­pe­ten­zen etwas Nor­mier­ba­res, Abprüf­ba­res – dabei ist die­ses Din­gens schon begriff­lich nicht ganz leicht zu fas­sen – trotz­dem bekom­me ich das immer noch in Lehr­pro­ben­ent­wür­fen für Refe­ren­da­re nicht nur hin­ge­pfuscht, son­dern auch kom­pe­tenz­spe­zi­fisch aus­dif­fe­ren­ziert („give the peop­le what they want“).

Ich sehe immer wie­der in mei­nem Unter­richt, dass Kom­pe­ten­zen in  ihrer kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung etwas sehr Sub­jek­ti­ves, Indi­vi­du­el­les sind. Klar, kann ich z.B. Kom­pe­ten­zen im Bereich der frei­en Rede ver­mit­teln. Aber kommt dann zwangs­läu­fig immer ein guter Red­ner her­aus? In der Aus­ge­stal­tung einer Kom­pe­tenz gibt es sehr vie­le Mög­lich­kei­ten. Wir Men­schen sind irgend­wie viel zu oft nicht die Sum­me unse­rer Tei­le (Des­we­gen dürf­te z.B. das Bea­men wohl auch nie klap­pen…). Viel­leicht gilt das für die Abs­trak­ta „Kom­pe­tenz“ und „Weis­heit“ auch irgendwie.

Schneeball

Ges­tern gab es zum aller­ers­ten Mal an unse­rer Schu­le einen Schul­ball – völ­lig los­ge­löst von irgend­wel­chen Anläs­sen. Ein­fach ein­mal gemein­sam mit SuS, Eltern und LuL in gedie­ge­nem Rah­men fei­ern. Orga­ni­siert wur­de die gan­ze Sache durch Schü­le­rin­nen und Schü­ler – von A‑Z (Saal, Musik, Pro­gramm, Geträn­ke, Cate­ring, Kal­ku­la­ti­on, Mar­ke­ting, Deko usw.). Das soll nun erst­mal eine Schu­le der unse­ren nachmachen.

Das Fest hat­te den übli­chen Span­nungs­bo­gen: Nach einem eher etwas stei­fen Beginn um 20:00 Uhr füll­te sich der Saal ab ca. 22:00 Uhr merk­lich und die Stim­mung locker­te sich denk­bar auf. Spä­tes­tens gegen 23:00 Uhr war es eine stil­vol­le Par­ty – man konn­te noch paar­wei­se tan­zen, muss­te aber nicht. Die Tanz­flä­che war voll und – ent­ge­gen dem, was Südol­den­bur­gern immer ger­ne nach­ge­sagt wird – die Besu­cher eigent­lich eher gar nicht. Alles blieb – zumin­dest bis ich um 1:00 Uhr gegan­gen bin – völ­lig im Rah­men. Angenehm.

Für mich ist es stets eine Offen­ba­rung, wenn ich SuS im Ball­kleid oder im Anzug sehe, die mor­gens dann doch eher in indi­vi­du­el­ler Klei­dung im Unter­richt sit­zen. Man muss fai­er­wei­se sagen, dass man Herrn Riecken auch nie im Anzug vor­her so rich­tig gese­hen hat – das Ver­gnü­gen dürf­te also beid­sei­tig gewe­sen sein. Hin und weg bin ich immer auch, wenn ich die Tanz­fä­hig­keit so man­cher SuS sehe – vor allem, weil es um die mei­ne wahr­lich nicht zum bes­ten bestellt ist.

Was macht einen sol­chen Abend zum Erleb­nis? Es sind der Tratsch und die Flak­se­rei. Ich freue mich immer total wenn ich Jun­gens mit Frau im Arm sehe, denen ich das nie zuge­traut hät­te. Ich freue mich über die oft­mals sehr ritua­li­sier­ten Schü­ler – Herr Riecken Gesprä­che, die ja nie wirk­lich locker sind, weil es die Rol­len nicht zulas­sen. Ich freue mich, Ehe­ma­li­ge zu sehen und ihre Ent­wick­lung wenn­gleich ober­fläch­lich mit­zu­be­kom­men. Net­te Geschich­ten über das Kol­le­gi­um hört man ja außer­dem. Und ich freue mich dar­über, mit Men­schen zu fei­ern, auch wenn in den Wochen davor teil­wei­se hef­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit ihnen gelau­fen sind. So ein Fest rela­ti­viert oft so man­ches, weil man sich pri­va­ter wahrnimmt.

Und: Ich weiß jetzt end­lich, wer hier in der nähe­ren Umge­bung Monark-Räder  (däni­sche Trans­port­rä­der) ver­treibt. Mein gutes Stück bräuch­te näm­lich ein­mal neue Decken – und die suche ich seit Jah­ren. Und da tref­fe ich auf dem Ball einen Schü­ler mei­nes Kur­ses mit sei­ner Freun­din im Arm, deren Vater die­ser Laden gehört.

Alle, die nicht mit dabei waren, haben etwas ver­passt und dür­fen sich jetzt ärgern. Und das sagt ein beken­nen­der Tanz­muf­fel und Ball­has­ser, der sich im Anzug ver­klei­det vorkommt.

Schulische Evaluation

Selbst­eva­lua­ti­on von Schu­le ist in Nie­der­sach­sen gera­de im Fahr­was­ser der Schul­in­spek­ti­on ein ganz gro­ßes The­ma. Da wer­den Stel­len geschaf­fen, Ver­fah­ren erprobt und Eva­lua­ti­ons­kon­zep­te ein­an­der gegen­über­ge­stellt und dis­ku­tiert. Im Grun­de läuft es auf viel Arbeit hin­aus: Allein Fra­gen und mög­li­che Ant­wort­mög­lich­kei­ten zu erar­bei­ten dau­ert eine gan­ze Wei­le. Dazu kommt wie so oft die bit­te­re Erkennt­nis, dass eine Eva­lua­ti­on nur in klei­nen Tei­len wirk­li­che Über­ra­schun­gen bie­ten wird. Weit­aus nie­der­schmet­tern­der ist die Tat­sa­che, dass man Defi­zi­ten in der Regel nur durch Geld- oder Per­so­nal­ein­satz begeg­nen kann – von bei­dem ist ja bekann­ter­ma­ßen eine Unmen­ge vorhanden.

Auch schwie­rig ist die Tat­sa­che, dass die Men­schen, die dann tat­säch­lich kon­kret die Eva­lua­ti­on durch­füh­ren, in der Regel dafür kei­ner­lei Schu­lung oder Aus­bil­dung an die Hand bekom­men. Leh­rer kön­nen sowie­so alles, ihr Tag hat 24 Stun­den und geschla­fen wird nachts. Viel schwie­ri­ger wird es für Eltern und Schü­lern sein, für ihre Ziel­grup­pe Fra­gen sowie sinn­vol­le Ant­wort­mög­lich­kei­ten zu ersinnen.

Dabei mei­ne ich mitt­ler­wei­le eini­ge beson­de­re Fall­stri­cke für die Pla­nen­den erkannt zu haben:

  1. Ver­mei­den Sie Frei­t­ext­fel­der wenn irgend mög­lich. Nicht nur, dass sie schwer auto­ma­ti­siert aus­zu­wer­ten sind – sie ber­gen die Gefahr von SuS dafür genutzt zu wer­den, unter Nen­nung von Namen von Lehr­kräf­ten zum Dampf­ab­las­sen benutzt zu wer­den. Daten­schutz­tech­nisch kön­nen Sie in Teu­fels Küche kom­men, wenn z.B. die Schul­lei­tung die unzen­sier­te Her­aus­ga­be die­ser Daten ver­lan­gen sollte.
  2. Ver­wen­den Sie eine kon­se­quen­te und für die Betei­lig­ten trans­pa­ren­te Anony­mi­sie­rung – ich wer­de noch spä­ter blog­gen, wie so etwas tech­nisch rea­li­sier­bar ist.
  3. Eine grund­sätz­li­che Schwie­rig­keit ber­gen all­ge­mein gehal­te­ne Fra­gen, z.B. „Mit der Unter­richts­ge­stal­tung an er Schu­le xy bin ich zufrie­den.“ SuS wer­den berech­tigt ein­wen­den, dass die­se Fra­gen über alle Lehr­kräf­te gebo­gen nicht beant­wort­bar  sind und sich auf die aus ihrer Sicht nichts­sa­gen­dens­te Ant­wort­mög­lich­keit zurück­zie­hen, die eine spä­te­re Aus­wer­tung stark ver­zerrt. Die Alter­na­ti­ve von per­so­na­li­sier­ten Feed­backs zu einer Lehr­kraft birgt Spreng­stoff für den Schul­frie­den und ver­letzt wahr­schein­lich Daten­schutz­richt­li­ni­en. Net­tes Dilem­ma. Ich per­sön­lich wür­de mich die­ser Her­aus­for­de­rung stel­len, weil ich das span­nend fin­de. Pro­ble­ma­tisch ist natür­lich, dass jede Lehr­kraft  (natür­lich auch ein Herr Riecken) bei einer gelun­ge­nen Anony­mi­sie­rung irgend­wie ihr Fett weg­be­kom­men wird – span­nend wird es dann wei­ter­hin, ob eine Schul­lei­tung auf der­ar­ti­ge Daten Zugriff erhal­ten dürf­te und wel­chen rea­lis­ti­schen Aus­sa­ge­wert  (der Mensch ansich über­treibt ja ger­ne) eine sol­che Eva­lua­ti­on gera­de bei une­lieb­ten Lehr­kräf­ten hät­te, die ihren Mythos schon über Jah­re mit sich her­um­schlep­pen. Noch ein net­tes Dilemma.
  4. Ver­mei­den Sie Fra­gen, die zwei Kri­te­ri­en abprü­fen, etwa: „XY ist ansprech­bar und freund­lich.“. Das sind zwei ver­schie­de­ne Aspek­te. Ich kann zwar freund­lich, jedoch sel­ten erreich­bar sein oder umge­kehrt, z.B. muss ja auch das Schul­lei­tungs­team hin und wie­der unter­rich­ten und ist dann nicht ansprech­bar für SuS oder Eltern.
  5. Sie wer­den es nie­man­dem Recht machen kön­nen. Es wird immer an irgend­ei­ner Stel­le irgend­ei­nen Ärger oder Ver­lan­gen nach Daten geben. Machen Sie sich also drin­gend im Vor­we­ge mit den in Ihrem Land gül­ti­gen Dat­zen­schutz­ge­set­zen ver­traut, um in einem spä­te­ren Dis­kurs ange­mes­sen reagie­ren zu können.

Ins­ge­samt kann das alles eine span­nen­de Erfah­rung wer­den. Es kön­nen ja auch z.B. Leh­re­rin­nen und Leh­rer z.B. die Eltern- und Schü­ler­schaft einer Schu­le evaluieren…

Living in perfect harmony

Es ist wie­der so weit: Noten müs­sen ver­ge­ben wer­den – hier in Nie­der­sach­sen geschieht das vor der Zeug­nis­ver­ga­be. Die Noten müs­sen mit den SuS bespro­chen wer­den. In Schles­wig-Hol­stein war das unter­sagt  – das hat­te Vor­tei­le. Noten­ge­bung gibt immer Ärger. In Regel läuft es auf eini­ge Grund­fra­gen heraus:

  • Was muss stär­ker gewich­tet wer­den: Qua­li­tät oder Quantität?
  • Hat ein Schü­ler oder eine Schü­le­rin, die sich aktiv am Unter­richt betei­ligt ein „Befrie­di­gend“ ver­dient, auch wenn die fach­li­che Leis­tung nicht stimmt?
  • Darf eine stil­le Schü­le­rin (sor­ry Mädels), die alle zwei Stun­den ful­mi­nan­te Bei­trä­ge lie­fert und ansons­ten 14 Punk­te schreibt, ein „Sehr gut“ erhalten?
  • Dür­fen Unter­richts­stö­run­gen (Ober­stu­fe) mit bei der münd­li­chen Note berück­sich­tigt werden?
  • usw.

SuS hal­ten hier­bei „münd­li­che Noten“ für beson­ders kri­tisch, obwohl man im schrift­li­chen Umfeld auch treff­lich hin­sicht­lich der Objek­ti­vi­tät strei­ten kann.

Oft besteht ein Aus­weg dar­in, mas­siv zu doku­men­tie­ren, d.h. z.B. nach jeder Stun­de Noti­zen anzu­fer­ti­gen. Dann ste­hen da Plus- und Minus­zei­chen, die genau so sub­jek­tiv sind wie die Gene­ral­ab­rech­nung nach meh­re­ren Wochen. Da kann das zitier­te stil­le Mäd­chen schnell bei doku­men­tier­ten Null Punk­ten ste­hen – aber das wenigs­tens objek­tiv, oder?

Die Plus- und Minus­zei­chen ste­hen – da bleibt kein päd­ago­gi­scher Spiel­raum für den­je­ni­gen, der sich durch har­te Arbeit bemüht und in der alles ent­schei­den­den Klau­sur die ret­ten­de Vier erreicht. Die geht dann im Minussumpf unter und trotz­dem kommt dann der Unter­kurs. Motivierend.

Die Zei­ten wer­den här­ter. Die Stu­di­en­an­for­de­run­gen höher. Der NC droht selbst Eins­er­kan­di­da­ten in z.b. dem Bereich Medi­zin. Die Ner­ven wer­den dün­ner. Bei SuS. Bei LuL, die aus der Schlacht zie­hen. Es wird ver­gli­chen, gera­de bei den Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen, die aus Grün­den der Trans­pa­renz ihre Noten öffent­lich vor der Lern­grup­pe bespre­chen. Da kom­men natür­lich auch Kon­flik­te offen zuta­ge. Gut so. Schwie­rig wird es, wenn es dabei Mit­schü­ler trifft, wo ich doch die ZIel­schei­be sein soll­te, weil ich die Noten gebe – es ist mein Job.

Fazit:

Wie man es macht, man macht es immer irgend­wo falsch. Man tut immer irgend­wo irgend­wem Unrecht. Am wenigs­ten Ärger wird man wahr­schein­lich haben, wenn man die Schwa­chen nicht berücksichtigt.

Das dicke Fell, dass mir das rein gar­nichts aus­macht, besit­ze ich bis heu­te nicht. Und wenn sich in mir kein Gewis­sen regt, kämp­fe ich immer noch dage­gen an.

Und:

Mich freut jeder Schü­ler und jede Schü­le­rin, die mich in die­ser Bezie­hung sach­lich und offen kri­ti­siert, denn bei allen Unanehm­lich­kei­ten zeugt es von einem gewis­sen Maß an Ver­trau­en und – Mün­dig­keit (die wol­len wir auf einem huma­nis­ti­schen Gym­na­si­um ja auch).

Spielkram – Kleinwindrad…

… man bas­telt ja ger­ne – anders kann man sei­ne mas­ku­li­nen Trie­be in die­ser Gesell­schaft ja kaum noch aus­le­ben, Ange­ben und Hau­en sind ja fast ver­bo­ten und Sport ist ja auch nicht jeder­mans Sache.

In der E‑Bucht gibt es hin und wie­der güns­ti­ge Chi­na­im­por­te von Klein­wind­rä­dern zu erstei­gern. Das von mir ergat­ter­te Modell klärt den hohen Stahl­ver­brauch die­ses Lan­des mehr als auf: Nabe und bean­spruch­te Tei­le sind alle­samt aus Guss gefer­tigt. Die Wel­le ist fett­ge­la­gert und per Schmier­nip­pel leicht wie­der abzu­drü­cken, falls sie doch ein­mal tro­cken läuft. In vol­ler Pracht sieht das Modell jetzt so aus:

Ansicht aus der Totale

Ansicht aus der Totale

Der Mast besteht aus zwei 3,5m lan­gen 2‑Zoll-Stahl­roh­ren, wie sie jeder grö­ße­re Instal­la­ti­ons­be­trieb auf Lager hat und zuschnei­det. Im Fun­da­ment sind zehn Säcke Beton ver­ar­bei­tet, in den Hal­te­run­gen für die Abspann­lei­nen jeweils zwei. Ver­zink­tes 6mm Stahl­seil zum Abspan­nen bie­tet eben­falls die E‑Bucht zu sen­sa­tio­nel­len Prei­sen an.

Wei­ter­le­sen

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