Probleme lösen

Mei­ne SuS has­sen es: Bei jeder Rechen­auf­ga­be in Che­mie müs­sen sie ein streng vor­ge­ge­be­ne Struk­tur einhalten:

  1. Was ist gege­ben?
  2. Was ist gesucht?
  3. Was gilt all­ge­mein?
  4. Wie kann ich nun den gege­ben Spe­zi­al­fall rech­nen?
  5. Wie lau­tet das Ergeb­nis?

Her­aus kommt in der Regel eine auf­wen­di­ge Lösung, die sich pri­ma kor­ri­gie­ren lässt, weil sie den Gedan­ken­gang beim Lösen doku­men­tiert. Der inter­es­siert mich eigent­lich. Das ande­re machen spä­ter sowie­so irgend­wel­che Sili­zi­um­chips – wenn man sie denn mit den kor­rek­ten Daten zu füt­tern im Stan­de ist.

Die SuS inter­es­siert dar­an meist nur, dass sie ent­spre­chend vie­le Punk­te holen kön­nen, da ich ja genau sehe, an wel­cher Stel­le es hakt und ent­spre­chend fol­ge­rich­tig gnä­dig sein kann, wobei es da auch Gren­zen gibt: Wer mir im Alter von 18 Jah­ren Kubik­zen­ti­me­ter nicht in Mil­li­li­ter umrech­nen kann, darf da weni­ger Gna­de erwar­ten als ein Sechst­kläss­ler mit der glei­chen Aufgabenstellung.

Die­se ner­vi­ge Struk­tur lässt sich aber eigent­lich auf alle Pro­ble­me die­ser Welt anwenden:

Wei­ter­le­sen

class Identifikation extends Partizipation

Par­ti­zi­pa­ti­on bedeu­tet die Ein­bin­dung von Indi­vi­du­en und Orga­ni­sa­tio­nen (soge­nann­te Stake­hol­der) in Ent­schei­dungs- und Wil­lens­bil­dungs­pro­zes­sen. Aus eman­zi­pa­to­ri­schen, legi­ti­ma­to­ri­schen oder auch aus Grün­den gestei­ger­ter Effek­ti­vi­tät gilt Par­ti­zi­pa­ti­on häu­fig als wün­schens­wert. Par­ti­zi­pa­ti­on kann die unter­schied­lichs­ten Betei­li­gungs­for­men anneh­men (z. B. Bür­ger­be­tei­li­gung, Inter­es­sen­ver­band, Poli­ti­sche Par­tei). Par­ti­zi­pa­ti­on gilt als gesell­schaft­lich rele­vant, weil sie zum Auf­bau von sozia­lem Kapi­tal füh­ren kann und dann sozia­les Ver­trau­en verstärkt.

Quel­le: Wikipedia

Ich fra­ge mich in letz­ter Zeit, wie sich Par­ti­zi­pa­ti­on gene­rie­ren lässt und wel­che Fak­to­ren ihren Rea­li­sie­rungs­grad bestim­men. Ich fra­ge mich auch, war­um Par­ti­zi­pa­ti­on gera­de auch in der Schu­le oft nicht statt­fin­det. Dabei bestim­men mich die unten wie­der­ge­ge­ben Gedan­ken, die ich mit als Grund­la­ge für den Arti­kel für unse­re dies­jäh­ri­ge Auf­füh­rung der Thea­ter-AG zu ver­wen­den gedenke:

  1. Ich part­zi­pie­re ger­ne inner­halb von Sys­te­men, die mir eige­ne Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten offe­rie­ren. Beson­ders attrak­tiv ist Par­ti­zi­pa­ti­on für mich dann, wenn ich grund­le­gen­de Wer­te und Struk­tu­ren in dann auch ger­ne lang andau­ern­den und har­ten, aber kla­ren Pro­zes­sen mit­ge­stal­ten kann.
  2. Gro­ße Sys­te­me lau­fen immer Gefahr, dass Par­ti­zi­pa­ti­on für sinn­los erach­tet wird. Die all­ge­mei­ne Poli­tik­ver­dros­sen­heit in unse­rem Land ist ein gutes Bei­spiel dafür. Wenn ich das Gefühl habe, dass immer glei­che und star­ke Mäch­te das mich umge­ben­de Sys­tem gestal­ten, bin ich wenig bis gar nicht bereit zu part­zi­pie­ren. Eine gro­ße Gefahr liegt für mich also in der schie­ren Größe.
  3. Par­ti­zi­pa­ti­on setzt für mich per­sön­lich vor­aus, in mei­nen Fähig- und Mög­lich­kei­ten ins­be­son­de­re von den Lei­ten­den eines Sys­tems prin­zi­pi­ell geach­tet zu sein. Dabei spielt der Satz „Wis­sen ist Macht“ eine zen­tra­le Rol­le: Par­ti­zi­pa­ti­on ist nur auf Basis eine soli­den Infor­ma­ti­ons­po­li­tik mög­lich. Die­se ist umso schwie­ri­ger zu gestal­ten, je grö­ßer ein Sys­tem ist. Das Schlüs­sel­wort heißt hier für mich wei­test­ge­hen­de Trans­pa­renz: Die Vor­gän­ge und Gerüch­te rund um die Lob­by­is­ten im Kanz­ler­amt oder Euro­pa­par­la­ment sind eben nicht transparent.
  4. Par­ti­zi­pa­ti­on ist nütz­lich: Es nützt den Mäch­ti­gen, da sie ent­las­tet wer­den und sich pri­mär auf rea­le Lei­tungs­kom­pe­ten­zen, z.B. der Len­kung, der Ver­mitt­lung und der Mode­ra­ti­on beschrän­ken kön­nen. Die Gemein­schaft eines Sys­tems pro­fi­tiert eben­falls von Par­ti­zi­pa­ti­on: Sie kann ihr Sys­tem mensch­li­cher gestal­ten und damit mas­siv zur Moti­va­ti­on und Atmo­sphä­re eines Sys­tems bei­tra­gen (sozia­les Kapi­tal). Par­ti­zi­pa­ti­on stirbt, wenn Mäch­ti­ge ein­sei­tig ideo­lo­gi­sche Richt­li­ni­en durch­set­zen und pri­mär dar­auf ihre Ener­gie ver­wen­den. Ein gutes Bei­spiel ist für mich dabei die öffent­li­che Debat­te um die Gesamt­schu­le, die sich ideo­lo­gisch ver­selbst­stän­digt hat und wenig sach­lich geführt wird. Die grund­sätz­li­che Fra­ge nach der Nach­hal­tig­keit ver­mis­se ich in den lau­fen­den Debatten.
  5. Wenn ein Sys­tem Par­ti­zi­pa­ti­on ermög­licht und för­dert, kommt es zu einem wei­te­ren sys­te­misch meist posi­ti­ven Begleit­ef­fekt – die Identifikation:

Die Iden­ti­fi­ka­ti­on muss nicht zwin­gend bewusst ver­lau­fen und wahr­ge­nom­men wer­den, son­dern unter­liegt oft unbe­wuss­ten Vor­gän­gen, die in der Psy­cho­ana­ly­se als Abwehr­me­cha­nis­mus eine wich­ti­ge Rol­le spielen.

Quel­le: Wikipedia

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