Projektideen – Teil 1

An die­ser Stel­le hat­te ich die Fra­ge gestellt, ob es 2011 über das gegen­sei­ti­ge Refe­ren­zie­ren und mit­ein­an­der Nach­den­ken ande­re, kon­kre­te­re For­men der Zusam­men­ar­beit geben könn­te. Herr Rau hat in einem Kom­men­tar bereits einen kon­kre­ten Vor­schlag gemacht und zum Aus­druck gebracht, dass es schon etwas mit inhalt­li­cher Anbin­dung und kei­nes­wegs „Web2.0‑Methodengehudel“ sein soll­te. Da bin ich natür­lich mit ihm.

Ich den­ke dar­über hin­aus, dass es nicht zu brav sein darf. Pro­jek­te bedür­fen mei­ner Ansicht nach einer ange­mes­se­nen Rezep­ti­on, um län­ger­fris­tig erfolg­reich und moti­vie­rend zu sein. Tech­nik und Ser­ver­res­sour­cen sind übri­gens kein Pro­blem – das wür­de von mir kos­ten­los gelie­fert. Eben­falls ist bei mir Stan­dard, dass stets aktu­el­le Abzü­ge aller Datei­en (MyS­QL, Datei­en als ZIP-Datei) jeder­zeit für alle Pro­jekt­be­tei­lig­ten zum Down­load bereit­ste­hen. Das machen Cron­jobs und schie­ben den Link dann ich einen geschütz­ten Bereich.

Wei­ter­le­sen

Transformationen der Macht

Ein alter Hof auf einer noch älte­ren Warft irgend­wo auf einem Nord­see­ei­land. Hek­ti­sches Trei­ben auf den Gän­gen. Zet­tel wer­den auf einen Tisch mit drei schmun­zeln­den Men­schen gelegt. Auf den Zim­mer­tü­ren hän­gen Zet­tel mit Auf­schrif­ten wie „Wür­fel­frucht Inc.“ oder „Urlaub Per­fekt“ oder gar „Regie­rung“. Auch Orts­na­men sind ver­tre­ten „Lino“ z.B. – ein mick­ri­ges Dorf bestehend aus drei Bau­ern und einem Tisch­ler. Das unent­deck­te Eiland „Safo“ muss sich ent­schei­den: Ent­we­der ein Flug­ha­fen für die Tou­ris­ten (und „Urlaub Per­fekt“) oder ein Indus­trie­ha­fen für Wür­fel­frucht Inc. Bei­des geht nicht – so sind die Regeln. Ich bin übri­gens Wirt­schafts­mi­nis­ter in die­sem Spiel. Irgend­wann hat mich kei­ner aus dem Volk mehr lieb und mei­ne Ent­schei­dun­gen wer­den wahr­haf­tig immer sinn­be­frei­ter. Jeder Stroh­halm, jeder Aus­weg ist mir recht. Im Jahr davor war ich Bau­er. Da habe ich den Pro­test­marsch auf das Regie­rungs­zim­mer ange­zet­telt. Mit Trans­pa­ren­ten, mit Paro­len. Das war irgend­wie cooler.

Es ist eines der bes­ten Plan­spie­le, die ich ken­ne. Lei­der wird es nicht mehr auf­ge­legt und die Rech­te­la­ge ist unklar – dabei habe ich alle Rol­len und Regeln noch digi­tal vorliegen.

Man lernt bei Plan­spie­len etwas über Macht, da sich ein gutes Plan­spiel ver­selbst­stän­digt und dann rea­le psy­cho­lo­gi­sche und sozia­le Pro­zes­se ein­set­zen, die Welt abbil­den, wie sie ist. „Safo­bau­er“ sein ist immer ein­fach:  Wenig Ver­ant­wor­tung, mit ein biss­chen Grips und Ver­net­zung (ging auch schon vor mehr als 20 Jah­ren) konn­te man den Mäch­ti­gen eine Men­ge Pro­ble­me machen – aber ent­schie­den haben dann doch ande­re. Zum Schwit­zen brin­gen konn­te man sie – mehr nicht.

Wei­ter­le­sen

Witterungsbedingter Schulausfall

Ich habe gera­de einen ziem­li­chen Hals. Bei uns fiel ges­tern die Schu­le aus, weil 15cm Neu­schnee mit Schnee­ver­we­hun­gen ange­sagt waren. Mor­gens waren alle Stra­ßen pico­bel­lo frei und Heer­scha­ren von SuS bereits in die Schu­le unter­wegs, weil eben alles in Ord­nung zu sein schien.

Wir sind eine länd­li­che Gegend. Es bestand tat­säch­lich die Mög­lich­keit, dass am Mit­tag – vor­aus­ge­setzt der Schnee wäre so hef­tig wie ange­sagt gekom­men – sich die Schü­ler­be­för­de­rung auf Neben­stre­cken pro­ble­ma­tisch gestal­tet hät­te – es bestand wie gesagt die Mög­lich­keit. Wir sind aber auch eine Gegend, in der man sich kennt und sich gegen­sei­tig hilft, gera­de in den klei­ne­ren Sied­lun­gen und Dör­fern. Zudem ist es bei schwie­ri­gen Wit­te­rungs­ver­hält­nis­sen eh immer den Eltern über­las­sen, ob sie ihre Schütz­lin­ge zu Hau­se behalten.

Was wäre eigent­lich so schlimm dar­an, wenn sich die Men­schen für so einen Fall Gedan­ken machen müs­sen? Vor­ges­tern muss­te eine Schü­le­rin wit­te­rungs­be­dingt bei einer Freun­din über­nach­ten – man sah ihnen sehr deut­lich an, dass sie das nächt­li­che Gespräch bis zwei Uhr mor­gens sozi­al „nicht“ wei­ter­ge­bracht hat: „Herr Riecken, geben Sie mir jetzt bit­te einen Strich für die nicht vor­han­de­nen Deutsch­sa­chen. Der Abend war so nett, das kann mei­ne Lau­ne jetzt auch nicht mehr vermiesen!“

Ich kann sol­che Tage aus fami­liä­ren Grün­den – mei­ne Kin­der sind dann auch nicht in die Schu­le – nicht sinn­voll dienst­lich nut­zen. Die ent­fal­le­nen Stun­den müs­sen natür­lich nach­ge­ar­bei­tet wer­den, z.B. in Form zusätz­li­cher Ver­tre­tungs­stun­den oder der Über­nah­me einer Lern­grup­pe bei län­ge­rer Krank­heit eines Kollegen.

Natür­lich wür­de ich in der Schu­le SuS betreu­en, die ansons­ten zu Hau­se allei­ne wären. Ich fin­de da schon etwas Sinn­vol­les. In Ham­burg wird das  über das Radio expli­zit kom­mu­ni­ziert. Auch bei uns befin­det sich für sol­che Fäl­le eine Rumpf­mann­schaft in der Schu­le (Hm – hät­te mir ja frei­ge­stan­den, dazu­zu­kom­men…), die  erwei­ter­te Schul­lei­tung ver­sieht natür­lich ihren Dienst – nur weiß ohne genaue offi­zi­el­le Infor­ma­tio­nen da nie­mand etwas von. Hier ste­hen Allein­er­zie­hen­de und Dop­pel­er­werbs­tä­ti­ge jetzt u.U. vor Her­aus­for­de­run­gen, weil ja wahr­schein­lich unklar ist, was in den Schu­len jeweils genau läuft.  Wenn ich jetzt vor der Tür Schnee­ber­ge fän­de, ok. Aber da ist nichts.

Und selbst wenn: Ich stap­fe dann zur Schu­le, samm­le die Leu­te zusam­men, die es recht­zei­tig geschafft haben und dann beginnt der regu­lä­re Unter­richt eben erst, wenn alle SuS und alle KuK vor­sich­tig und in dem ihnen mög­li­chen Tem­po den Weg in die Schu­le fin­den. Ich könn­te zwan­zig SuS in der Che­mie­samm­lung bei Röh­ren­ra­dio­ge­du­del stun­den­lang eine Rei­ni­gungs- und Abwasch­par­ty fei­ern las­sen… Wir hier orts­an­säs­si­gen kom­men schon irgend­wie recht­zei­tig – not­falls mit Ang­ler­stie­feln durch den Schnee watend oder so.

Hät­ten wir nicht trotz­dem wenigs­tens eine Betreu­ung in den Schu­len auch über das Radio kom­mu­ni­zie­ren kön­nen so wie z.B. auch heu­te in Meck­len­burg-Vor­pom­mern aus­drück­lich gesche­hen? Ob den Hin­weis auf der Sei­te des Land­krei­ses von den Eltern so wahr­ge­nom­men wird?

Update:

Auch heu­te fällt die Schu­le hier im Land­kreis aus. Stra­ßen­ex­pe­ri­men­te zei­gen, dass es um die Streu­salz­vor­rä­te von Land­kreis und Stadt wohl nicht zum bes­ten steht… Kor­ri­gie­ren geht heu­te aber wenigs­tens im Gegen­satz zu gestern.

Wikileaks – auch ganz kurz

Emo­tio­na­le Unter­tö­ne bestimm­ter Cou­leur liest man bei Herrn Rau und mir eher sel­ten. Sein Arti­kel zu Wiki­leaks ist unbe­dingt lesens­wert, auch weil sich Hin­wei­se ver­dich­ten, dass Fir­men wie Ama­zon und Visa sehr wohl auf poli­ti­schen Druck das Ver­trags­ver­hält­nis mit Wiki­leaks auf­ge­kün­digt haben.

Nach der gest­ri­gen Lek­tü­re von Udo Vet­ters Ein­schät­zung der Rechts­la­ge, war ich kurz ver­sucht, eini­ge mei­ner nicht unbe­trächt­li­chen Res­sour­cen „unter­zu­ver­mie­ten“, aber viel­leicht bin ich doch zu deutsch dafür.

Macht hat schon immer in der Geschich­te erheb­li­che Res­sour­cen zum Macht­er­halt auf­ge­wen­det. Wir erle­ben das gera­de auf bei­den Sei­ten. Das Macht­ver­hält­nis von insti­tu­tio­nel­ler und ideel­ler Macht wird gera­de au der ganz gro­ßen Büh­ne neu ausgehandelt.

Ich habe Angst um die Frei­heit des Inter­nets und ich habe auch Angst, dass im neu­en Krieg Wiki­leaks mit Infor­ma­tio­nen zurück­schlägt, deren Ver­öf­fent­li­chung Men­schen­le­ben und nicht „nur“ den Stolz von Natio­nen gefähr­det. Dar­in sehe ich die Gefahr die­ser Eskalation.

Das Inter­net kann gar nicht so schnell abge­schal­tet wer­den, wie Tech­ni­ker und Admi­nis­tra­to­ren siche­re Wege fin­den, Infor­ma­tio­nen schnell zu ver­brei­ten, weil es die Tech­no­lo­gie schon lan­ge gibt. Will man z.B. P2P, Tor­rents, VPNs, Dark­nets fil­tern, sper­ren, verbieten?

Das, was an Vor­wür­fen gegen Assan­ge bekannt ist, scheint auf den ers­ten, ober­fläch­li­chen Blick recht dünn, zumal für ihn die Unschulds­ver­mu­tung gel­ten muss. Zu einem völ­li­gen Desas­ter dürf­te die gesam­te Kis­te wer­den, wenn Assan­ge nicht allein ein Mensch, son­dern ein Sym­bol wird. Es gibt insti­tu­tio­nel­le Macht, die trans­pa­rent agiert – sie muss sich  auch in Zukunft nicht fürch­ten. Aber ich hof­fe, dass alle klei­nen und gro­ßen Guts­her­ren jetzt zumin­dest auf­ge­schreckt sind.

Trans­pa­renz… (sor­ry, der muss jetzt noch)

Wenn die deut­schen PISA-Roh­da­ten im Netz ver­öf­fent­licht wer­den, muss ich nicht immer durch die Bril­le von Auto­ri­tä­ten, die sich ger­ne auch ein­mal in ihren Inter­pre­ta­tio­nen wider­spre­chen, dar­auf schau­en. Ich hof­fe, dass wir dafür Wiki­leaks nicht brau­chen. Die KMK tat sich damals damit recht schwer. Das wird jetzt bestimmt schnel­ler und trans­pa­ren­ter gehen, da wir ja wie­der vor­ne mit­spie­len – soweit vor­ne, dass die Pres­se jetzt teil­wei­se sogar den Leh­rer­woll­wasch­gang her­aus­holt – Leh­rer müs­sen „Per­sön­lich­keit“ besit­zen – welch neue Erkennt­nis, gera­de auch hier im Blog!

Die mediale Dividende

Ich habe die­se Woche ange­fan­gen, Unter­richt mit Hil­fe von Goo­g­le­Docs vor­zu­be­rei­ten – für jede Lern­grup­pe ein getrenn­tes Doku­ment, mit Datum, mit Links zu z.B. ver­wen­de­ten Arbeits­blät­tern, mit Bil­dern, Links zu Vide­os usw.. Mein Schul­ta­sche ist seit­dem selt­sam auf­ge­räumt und leer.

Wich­tigs­tes Gerät ist mein Asus D250, manch­mal in Blue­tooth-Ehe mit mei­nem Han­dy. Es pas­sie­ren selt­sa­me Din­ge: Wäh­rend Stil­l­ar­beits­pha­sen füge ich Kom­men­ta­re und Ideen von SuS in das Doku­ment ein. Ich habe mich heu­te sogar dabei ertappt, mei­ne spon­tan an der Tafel ver­bes­ser­ten For­mu­lie­run­gen dort ein­ge­ar­bei­tet zu haben und ich habe mich dabei ertappt, mei­ne Unter­richts­vor­be­rei­tun­gen in mei­nen Klas­sen­blogs ver­lin­ken zu wollen.

Was noch nervt ist, dass ich mei­ne Goo­g­le­Docs-Tafel­bil­der nicht direkt auf ein SMART-Board bea­men und dort an Ort und Stel­le ver­än­dern kann – so könn­te man sogar live dis­ku­tie­ren, war­um ich jetzt gera­de Chloes Satz neh­men will und nicht mei­nen, den ich mir zu Hau­se aus­ge­dacht habe. Neben­bei hät­te jeder Zugriff auf die glei­chen Auf­zeich­nun­gen in glei­cher Qua­li­tät: Was kann Schü­ler x oder Schü­le­rin y eigent­lich für seine/ihre Schrift? Wie aus­sichts­reich und sinn­voll sind Erzie­hungs­ver­su­che – die sich in unse­rem Schul­sys­tem oft­mals in Sank­tio­nen erschöp­fen – bei einem  z.B. Neunt­kläss­ler? Wie vie­le von ihnen wan­deln sich eigent­lich vom Sau­lus zum Paulus?

Gera­de aktu­ell habe ich in mei­ner 6. Klas­se klei­ne Dik­ta­te zur Schrei­bung von Fremd­wor­ten ent­wi­ckeln las­sen – es folg­te dar­auf ein Part­ner­dik­tat. Wäre es nicht hübsch, alles gleich digi­tal zu haben, um dann das krea­ti­ve Übungs­ma­te­ri­al noch mal ohne wei­te­re (und sinn­lo­se) Abschrif­ten zu über­ar­bei­ten und vom Schwie­rig­keits­grad her „hoch­zu­züch­ten“? Muss man nicht in der Schu­le machen – geht auch als Haus­auf­ga­be im Klassenblog.

Um nicht falsch ver­stan­den zu wer­den: Ich fin­de die Hand­schrift wich­tig. Sie ist ein Fall­back für Fäl­le, in denen kei­ne Ener­gie oder kein Netz zur Ver­fü­gung steht. Und manch­mal ist etwas schnel­ler gekrit­zelt als ges­mart­board­tet (außer­dem sieht SMART-Gekrit­zel meist by Design beschei­den aus – das kann die Tafel noch bes­ser). Ich möch­te kein Kunst­werk in den Bil­der­rah­men mei­ner Schu­le missen.

Aber ich fra­ge mich zuneh­mend, wie viel Zeit wir in der Schu­le völ­lig inef­fi­zi­ent für Abschrif­ten ver­schwen­den. Ich war­te auf den Beweis, dass sich beim Abschrei­ben Inhal­te eher fes­ti­gen – das wird ja oft als Argu­ment ins Feld geführt.

Und selbst wenn das beweis­bar ist:

Einen Text dadurch zu über­ar­bei­ten, dass ich ihn abschrei­be, anstatt ihn zu edi­tie­ren, mag wohl Sinn machen, wenn die Schrift als sol­che gelernt wer­den soll. Ich sehe dar­in kei­nen Nut­zen für das Wesen der Über­ar­bei­tung: Text­stel­len zu opti­mie­ren, Sät­ze umzu­stel­len etc..

Im Schul­sys­tem dürf­te eine Men­ge media­le Divi­den­de stecken…

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